Machtkampf in der AfD Meuthen plant Kampfkandidatur gegen Petry

Der Druck auf AfD-Chefin Frauke Petry wächst: Ihr Rivale Jörg Meuthen droht, beim Parteitag im Dezember gegen sie anzutreten. Die Angegriffene beklagt eine "Personaldebatte zur Unzeit".
Frauke Petry, Jörg Meuthen (Archivbild von April 2017)

Frauke Petry, Jörg Meuthen (Archivbild von April 2017)

Foto: Axel Schmidt/ REUTERS

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat für den geplanten Parteitag im Dezember eine Kampfkandidatur gegen die Co-Vorsitzende Frauke Petry angekündigt. Sollte sich Petry erneut um den Parteivorsitz bewerben, werde er gegen sie antreten, sagte Meuthen der Nachrichtenagentur dpa. "Für eine erneute Doppelspitze mit Frauke Petry kann ich nicht zur Verfügung stehen." Petry reagierte leicht gereizt und warnte davor, erneut eine Personaldebatte zu führen.

Die Ankündigung von Meuthen kommt überraschend. Möglicherweise soll sie Petry unter Druck setzen. Denn die Parteichefin hat sich seit dem Kölner Bundesparteitag weitgehend aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Im April war in Köln das Spitzenduo Alexander Gauland und Alice Weidel für die Bundestagswahl gewählt und damit Petry an den Rand gedrängt worden.

In jüngster Zeit hatten sich Gauland und Weidel intern beschwert, dass Petry als Bundesvorsitzende kaum noch in Erscheinung trete und dem Duo weitgehend die Parteiarbeit neben dem Wahlkampf aufbürde. Petry, die kürzlich ihr fünftes Kind zur Welt brachte, steht intern unter Druck.

Zuletzt konnte sie sich am vergangenen Sonntag auf einem Kreisparteitag in der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge gegen Kritiker vom äußersten rechten Flügel durchsetzen, die ihr die bereits im November erworbene Direktkandidatur für den Bundestag wieder entziehen wollten. Petry kandidiert zudem auf Platz 1 der sächsischen AfD-Landesliste und dürfte damit nach den derzeitigen Umfragen, die die Partei bei acht bis neun Prozent sehen, in den kommenden Bundestag einziehen.

Seit dem Essener Parteitag vom Juli 2015 sind Petry und Meuthen Parteivorsitzende. Meuthen sagte, er sei bereit, die AfD allein oder im Team zu führen, aber nicht gemeinsam mit Petry. Er arbeite mit der sächsischen AfD-Vorsitzenden zwar im Moment noch zusammen. Ideal sei die Situation aber nicht. An der AfD-Spitze müsse künftig mehr Harmonie herrschen. Sonst drohten "Reibungsverluste".

"Einigkeit im Wahlkampf sieht anders aus"

Petry teilte mit: "Die Personaldebatte über den Parteivorsitz zur Unzeit und ohne Not zu eröffnen, wiederholt das unselige Spiel um die Spitzenkandidatur. Die gern auch von Jörg Meuthen beschworene Einigkeit im Wahlkampf sieht anders aus."

Meuthen kandidiert nicht für die Bundestagswahl. Er hatte Petry im vergangenen Jahr vorgeworfen, sie versuche, in die von ihm geführte baden-württembergische Landtagsfraktion hineinzuregieren.

Entzündet hatte sich der Konflikt an dem Fall des Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon. Meuthen hatte Gedeon wegen des Vorwurfs des Antisemitismus loswerden wollen. Die Angelegenheit führte damals zu einer vorübergehenden Spaltung der Fraktion.

cte/sev/dpa
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