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23. April 2016, 08:06 Uhr

Rechtspopulisten

AfD-Jugend und Putin-Jugend verbünden sich

Die AfD stärkt ihre Bande nach Moskau: Ihre Jugendorganisation hat nach SPIEGEL-Informationen ein Bündnis mit Putin-treuen Nachwuchspolitikern beschlossen. Parteivize Gauland begrüßt das.

Die Kontakte der rechtspopulistischen AfD nach Russland vertiefen sich. Vertreter der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und der Jungen Garde der Putin-Partei Einiges Russland haben nach SPIEGEL-Informationen beschlossen, ein Bündnis einzugehen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.) Offiziell lässt die Junge Alternative verlauten, dass es bereits ein Sondierungsgespräch gab und man für das geplante Jugendnetzwerk weiter das Gespräch mit der Putin-Jugend suchen werde.

"Auf dem ganzen europäischen Kontinent werden eurokritische und souveränistische Bewegungen immer stärker", deshalb sei es für die Junge Alternative "selbstverständlich, diese Aktivitäten in einem neuen Jugendnetzwerk zu bündeln", sagte JA-Chef Markus Frohnmaier dem SPIEGEL. "Da dürfe Russland nicht fehlen." In der Außenpolitik müsse Deutschland endlich "seine vitalen nationalen Interessen vertreten" und dürfe nicht "Kindergärtner der Welt" sein.

Der russlandfreundliche AfD-Parteivize Alexander Gauland begrüßte das Bündnis: "Ich habe überhaupt keine Bedenken dagegen." Er selbst habe sich auf einer Reise nach St. Petersburg mit dem Kreml-nahen Ideologen Alexander Dugin und einem persönlichen Referenten des russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgetauscht.

Unmut in der Ukraine

Die Nähe der AfD zu Russland sorgt bereits für diplomatische Verstimmungen auf Regierungsebene.

So hat der Botschafter der Ukraine in Berlin, Andrij Melnyk, beim Auswärtigen Amt eine Protestnote eingereicht, weil Markus Frohnmaier und der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell ohne Erlaubnis der ukrainischen Behörden auf die von Russland annektierte Krim reisten. "Eine illegale Einreise auf die Krim ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine gravierende Straftat", sagte Melnyk dem SPIEGEL. Die Bundesregierung solle "alle notwendigen Schritte unternehmen, um eine solche Verletzung ukrainischer Gesetze in Zukunft zu unterbinden".

In einer Woche will die AfD auf ihrem Bundesparteitag ein neues Parteiprogramm verabschieden. In mehreren Anträgen werden der Austritt Deutschlands aus der Nato und eine engere Bindung an Russland gefordert.

Anmerkung der Redaktion: Der letzte Satz des ersten Absatzes wurde nachträglich ergänzt.

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