Radikalisierung der AfD-Jugend "Junge Alternative" soll auf Bundesebene vor dem Aus stehen

Der Streit über rechtsextreme Umtriebe in Reihen der "Jungen Alternative" bedroht die Jugendorganisation der AfD. Einem Bericht zufolge soll sie vor der Spaltung stehen - ganze Landesverbände stehen auf der Kippe.
Anhänger der "Jungen Alternative" bei einer Demo in Dresden (Archiv)

Anhänger der "Jungen Alternative" bei einer Demo in Dresden (Archiv)

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Der Zusammenhalt der AfD-Nachwuchsorganisation "Junge Alternative" auf Bundesebene ist gefährdet. Gemäßigte Kräfte im Bundesvorstand der 1800 Mitglieder starken Organisation planen laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), mehrere Landesverbände aus der JA abzugliedern - und von der Partei als neue Jugendorganisation anerkennen zu lassen.

"Die rechtsradikalen Umtriebe in der JA haben ein Maß erreicht, das der AfD schadet", sagt JA-Vizechef Nicolai Boudaghi aus Nordrhein-Westfalen dem RND. Durch die Ausgliederung sollen die radikalen Landesverbände ihre Anbindung zur Mutterpartei verlieren. Boudaghi ergänzte: "Wenn die JA der AfD schadet, dann muss sie weg."

Der AfD-Bundesvorstand will sich am Montag erneut mit rechten Umtrieben in der Jugendorganisation befassen. AfD-Vizechef Georg Pazderski dem RND: "Es gibt die Möglichkeit, die JA oder einzelne Landesverbände von der AfD abzulösen."

Der Streit über den Umgang mit rechtsextremen Strömungen innerhalb der "Jungen Alternative" schwelt seit Monaten. Die Jugendorganisation wird in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Landesverband Niedersachen löste sich Anfang des Monats auf, da er laut dem JA-Bundesvorsitzenden Damian Lohr unter anderem gegen die Bundessatzung und gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen habe.

Zuletzt hatte sich der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg dazu entschieden, den dortigen Landesverband der "Jungen Alternative" beobachten zu lassen. Der baden-württembergische Landesvorsitzende Moritz Brodbeck hatte deshalb gemeinsam mit vier weiteren Landesvorstandsmitgliedern seinen Rücktritt angekündigt.

"Mit solchen Leuten setze ich mich nicht mehr an einen Tisch"

Ihre Versuche, sich gegen "die immer stärker wachsende politische Verantwortungslosigkeit" zur Wehr zu setzen, seien gescheitert, hieß es in einer Austrittserklärung. "Leider sind diese Versuche einem Radikalisierungsprozess zum Opfer gefallen, der insbesondere in den letzten Monaten noch einmal erheblich an Fahrt aufgenommen hat." In mehreren Bezirksverbänden seien "Parallelstrukturen mit engen Verbindungen zu der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung aufgebaut" worden. Deshalb sei es sinnvoll, eine neue, der AfD verbundene Jugendorganisation zu gründen.

Laut RND wird erwartet, dass Brodbeck, Boudaghi und andere in Kürze ihre Vorstandsämter auf Bundesebene niederlegen. Auch JA-Chef Lohr will sich demnach aus der Jugendarbeit zurückziehen. Der Vorstand könnte durch die Rückzüge handlungsunfähig werden.

Zuvor solle aber noch versucht werden, die am wenigsten radikalen Landesverbände herauszulösen, wie der RND berichtet. In der JA werden NRW, Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz genannt. Die Landesverbände im Osten und Süden Deutschlands sei bereits an Rechtsradikale verloren, hieß es unter Berufung auf Vorstandskreise.

Bereits im Juni hatten Boudaghi, Brodbeck und andere laut RND die rechtsradikale Entwicklung beklagt - und in einem Brief an den Bundesvorstand Konsequenzen angemahnt. Beim JA-Bundeskongress im thüringischen Seebach wurden dem Bericht zufolge mehrfach alle drei Strophen des Deutschlandliedes gesungen, zudem habe es heftige verbale Attacken gegen Delegierte gegeben.

Boudaghi, dessen Eltern aus Iran kommen, berichtet laut RND nun auch von persönlichen Angriffen: "Es wird gesagt, man dürfe mir nicht die Hand geben, weil mein Blut unrein sei". In dem Bericht wird er mit den Worten zitiert: "Mit solchen Leuten setze ich mich nicht mehr an einen Tisch."

Im Video: Wie rechts ist die AfD?

dbate
apr