Zerstrittener Verband Neue Doppelspitze nach Wahlchaos bei der Südwest-AfD

Einigkeit sieht anders aus: Bei der Wahl zum neuen Landeschef der Südwest-AfD haben sich beide Favoriten wegen mangelnder Mehrheiten zurückgezogen. Nun gibt es nach langem Hin und Her eine Doppelspitze.
Markus Frohnmaier (links) und Emil Sänze, die neue Südwest-Doppelspitze

Markus Frohnmaier (links) und Emil Sänze, die neue Südwest-Doppelspitze

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Nach Wahlchaos bei der Kür eines neuen Vorsitzenden der AfD in Baden-Württemberg gibt es nun eine Doppelspitze aus dem Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und dem Landtagsabgeordneten Emil Sänze. Zuvor hatte keiner der beiden eine absolute Mehrheit erzielen können.

Frohnmaier kam auf 47,23 Prozent, Sänze auf 46,51 Prozent. Daraufhin erklärten sich die Kandidaten bereit, den Landesverband gemeinsam zu führen. 319 von 533 Mitgliedern stimmten für diese Lösung. Frohnmaier war zuvor stellvertretender Landesvorsitzender, Sänze wird dem völkisch-nationalen Lager zugerechnet. »Wir lassen uns nicht unterstellen, dass wir Verfassungsfeinde sind, die anderen sind die Verfassungsfeinde«, sagte Sänze in seiner Bewerbungsrede. Das Volk werde nicht mehr vertreten, sondern es werde bevormundet, behauptete er.

Bei der Abstimmung geht es um die Nachfolge von Alice Weidel, die sich auf ihre Berliner Ämter als Bundesparteichefin und Co-Fraktionsvorsitzende konzentrieren will und nicht mehr für den Landesvorsitz kandidierte.

Die beiden ursprünglichen Aspiranten für den Chefposten, die Bundestagsabgeordneten Dirk Spaniel und Martin Hess, hatten zuvor ihre Kandidatur zurückgezogen. Auch keiner dieser beiden hatte eine absolute Mehrheit erreicht: Bei den Neuwahlen kam

  • der Polizist Martin Hess in einem zweiten Wahlgang auf 49,82 Prozent der Stimmen,

  • der Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel auf 49,29 Prozent der Stimmen.

Im ersten Wahlgang hatte Spaniel sehr knapp geführt. Ihm wird immer wieder eine Nähe zum völkisch-nationalen »Flügel« der AfD nachgesagt. Hess hingegen sieht sich einer gemäßigten Strömung der Partei zugehörig, steht Weidel nahe und war zuletzt bereits Vorstandsvize im Landesverband.

Gescheiterter Kandidat Hess

Gescheiterter Kandidat Hess

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Hess hatte nach dem zweiten Wahlgang seinen Rückzug angeboten und seinen Kontrahenten Spaniel ebenfalls dazu aufgerufen. Dieser hatte sich dazu grundsätzlich bereit erklärt, aber eine Doppelspitze vorgeschlagen. Das wiederum hatten die AfD-Mitglieder mehrheitlich abgelehnt – um später dann doch einer Doppelspitze der Ersatz-Kandidaten zuzustimmen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde aktualisiert, nachdem sich die AfD doch noch auf eine Doppelspitze verständigen konnte.

dab/mgo/dpa
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