Zoff um Umfragedaten AfD kassiert Schlappe im Rechtsstreit mit Forsa

Wie stark ist die eurokritische AfD? Parteichef Lucke warf den Meinungsforschern von Forsa vor, Zahlen kleinzurechnen - und kassierte dafür jetzt einen juristischen Maulkorb. Forsa-Chef Güllner begrüßt die Gerichtsentscheidung - und lästert über "Lügen-Lucke".
AfD-Vorsitzender Lucke: Niederlage im Umfragestreit mit Forsa

AfD-Vorsitzender Lucke: Niederlage im Umfragestreit mit Forsa

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Berlin - Kurz vor der Bundestagswahl hat die eurokritische Partei Alternative für Deutschland eine juristische Schlappe kassiert. Das Umfrageinstitut Forsa erwirkte eine einstwillige Verfügung gegen den AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke. Dieser hatte kürzlich in einem Interview behauptet, Forsa würde die Zahlen für die AfD herunterrechnen. Das Landgericht Köln untersagte Lucke nun vorläufig, Behauptungen zu verbreiten, wonach die AfD in den Rohdaten von Forsa deutlich über der Fünfprozenthürde liege. Der Gerichtsbeschluss liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Forsa-Chef Manfred Güllner begrüßte die Entscheidung - und attackierte den AfD-Vorsitzenden. "Das ist schon infam, was er uns vorgeworfen hat", sagte Güllner SPIEGEL ONLINE. "Wir behandeln die AfD wie jede andere Partei auch. Ich nenne den AfD-Chef jetzt nur noch Lügen-Lucke."

Lucke hatte in dem Interview Ende August den Meinungsforschern von Allensbach und Forsa vorgeworfen, seine Partei absichtlich zu benachteiligen. "Die Forschungsinstitute nutzen den Spielraum der statistischen Analyse, um uns kleinzurechnen", so Lucke im "Handelsblatt". Er habe für seinen Vorwurf "eindeutige Hinweise von Mitarbeitern der Wahlforscher", sagte Lucke. "In den Rohdaten von Allensbach und Forsa liegen wir deutlich über fünf Prozent."

"Der Unterstützerkreis geht ins Rechte hinein"

Unter Androhung eines Ordnungsgelds von bis zu 250.000 Euro verbat das Landgericht Köln Lucke nun diese Behauptung. Der AfD-Vorsitzende äußerte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht. Er habe noch keine Kenntnis des Gerichtsbeschlusses, sagte er.

Die AfD befindet sich in Umfragen seit Monaten unterhalb der Fünfprozenthürde. Luckes Angriff auf die Meinungsforscher ist Teil einer gewagten Strategie. Seit Monaten versucht die Parteispitze, sich als Opfer von Medien, Umfrageinstituten und anderen Teilen der Öffentlichkeit zu inszenieren. Bei YouTube etwa sind Puppenfilme der Anti-Euro-Partei zu sehen. In einer der Folgen wird ein AfD-Repräsentant, der in dem Filmchen durch den Stoffhund Lucky verkörpert wird, verprügelt, als er vom Euro-Ausstieg spricht. "Das verstehen die also unter Meinungsfreiheit?", fragt Lucky am Ende in die Kamera.

Ob die AfD in den Bundestag einzieht, ist laut Güllner offen. "Die Partei schwankt bei uns zwischen zwei und vier Prozent", sagte der Forsa-Chef. "Wir wissen aber nicht, wie hoch die Dunkelziffer ist." Die AfD-Unterstützer seien schwer zu erreichen - auch, weil viele von ihnen sich nicht zu erkennen geben würden. "Der Unterstützerkreis geht eindeutig ins rechtspopulistische und rechtsradikale Milieu hinein", so Güllner.

vme
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.