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Rechtspopulismus AfD-Führung distanziert sich von Höcke

Selbst in der AfD steht er weit rechts, seine Hetzparolen sind kaum auszuhalten. Jetzt geht auch die Parteispitze auf Distanz zu Björn Höcke: Er sei nicht legitimiert für die Bundespartei zu sprechen.

Er wettert regelmäßig auf Kundgebungen gegen Flüchtlinge, sieht sich selbst als "Stimme des Volkes" und inszenierte sich jüngst in Günther Jauchs TV-Talk bundesweit als rechter Provokateur: Jetzt hat offenbar selbst die Spitze der Alternative für Deutschland (AfD) genug von Björn Höcke. Laut einem Bericht des Mediendienstes kress.de  schrieben die Bundesvorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen über den thüringischen AfD-Landeschef in einer E-Mail an die Mitglieder: "Er ist nicht legitimiert, für die Bundespartei zu sprechen."

Petry und Meuthen erklärten demnach, dass sie sich vom "derzeitigen Stil des Auftretens des thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke nicht vertreten" fühlten. Für die AfD sei es wichtig, sich sachlich "mit den anstehenden Problemen" zu befassen. "Dazu gehört bei allen politischen Differenzen auch immer der persönliche Respekt gegenüber dem politischen Gegner", heißt es den Angaben zufolge in der Mail.

Höcke, der auch Fraktionsvorsitzender seiner Partei im thüringischen Landtag ist, gilt als besonders laute Stimme am rechten Rand. Seinen Aufrufen zur Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik der Landes- und Bundesregierung in Erfurt folgen seit Wochen Tausende Menschen. Zuletzt ging die Zahl der Teilnehmer jedoch zurück.

Höcke war darüber hinaus in die Schlagzeilen geraten, als er in Jauchs ARD-Sendung eine Deutschlandflagge über seine Stuhllehne legte und seine fragwürdigen Thesen zur Flüchtlingspolitik vortrug. Der Auftritt hatte viel Empörung ausgelöst.

Petry und Meuthen machen keinen Hehl daraus, dass Höckes Hetze in Teilen der eigenen Partei auf fruchtbaren Boden fällt. Laut kress.de schrieben sie nun, es möge "mancher als befriedigend empfunden haben, dass das, was er schon immer mal selbst gesagt haben wollte, nun durch Björn Höcke zum Ausdruck gebracht wurde". "Das Befriedigen persönlicher Gefühle unserer eigenen Klientel" sei aber "gerade nicht Zweck solcher Auftritte".

Auch der frühere AfD-Chef Bernd Lucke griff Höcke scharf an. Der "Frankfurter Neuen Presse" sagte er, der Politiker sei verantwortlich für einen strammen Rechtskurs der AfD. Höcke suche den Schulterschluss mit der islamfeindlichen Bewegung Pegida. Nach einem Bruch mit dem nationalkonservativen Flügel hatte Lucke seinen Austritt aus der AfD erklärt. Im Juli gründete er zusammen mit anderen die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa).

kev