Angriff auf die CDU Prominente Mittelständler finanzieren rechtspopulistische AfD

Die AfD will raus aus der Schmuddelecke. Einflussreiche Unternehmer helfen der Partei dabei. An vorderster Front: Ex-BDI-Chef Heinrich Weiss und Außenwerber Hans Wall.
SMS-Chef Heinrich Weiss: Unterstützung für die AfD

SMS-Chef Heinrich Weiss: Unterstützung für die AfD

Foto: DPA

Die Alternative für Deutschland (AfD) gräbt sich weiter in die Kernklientel von CDU und FDP vor. Nach Recherchen des manager magazins kann die rechtspopulistische Partei künftig auf die Mitarbeit von mindestens zwei prominenten Mittelständlern zählen: Heinrich Weiss, Aufsichtsratschef und Großaktionär des Anlagen- und Maschinenbauers SMS Group (Jahresumsatz rund 3,5 Milliarden Euro), möchte sich künftig für die Partei öffentlich einsetzen und beispielsweise auf AfD-Veranstaltungen auftreten.

Weiss habe die AfD bereits mit einer Spende finanziell unterstützt, wie er dem manager magazin mitteilte. Anfang der neunziger Jahre war der heute 72-Jährige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), zudem war er bis 2012 und jeweils mehr als zehn Jahre lang Vorstand im Ost-Ausschuss sowie im Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, zwei der wichtigsten Netzwerke des deutschen Top-Managements.

Neben Weiss unterstützt auch Hans Wall, der Gründer des Berliner Außenwerbers Wall AG, die AfD. Der Unternehmer, früher Mitglied der FDP, ist sogar in die Partei eingetreten. "Früher hat mir Westerwelle aus dem Herzen gesprochen", sagte er manager magazin. Vor allem die Enttäuschung über den Bail-out im Rahmen der Eurorettung habe ihn jedoch zum Wechsel bewogen. Auch Wall hat der AfD schon Geld gespendet, für ihn ist sie "die Partei des deutschen Mittelstands".

Zuvor tief in CDU verankert

Die beiden prominenten Unterstützer eröffnen AfD-Chef Bernd Lucke die Chance, weitere Unternehmer zu gewinnen und den starken Einfluss rechtsextremer Kräfte in der Partei zu überdecken. Mit Weiss gewinnt der Parteichef einen Unternehmer, der tief in der CDU verankert war. Helmut Kohl holte ihn in den Achtzigerjahren in die Partei, fünf Jahre lang war er Bundesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats.

Von seiner alten politischen Heimat zeigt sich der Unternehmer inzwischen enttäuscht. Unter Angela Merkel, so Weiss, habe die Union ihre Wirtschaftskompetenz weitgehend verloren, abweichende Meinungen, etwa zur Eurorettungspolitik, würden nicht mehr diskutiert.

Auf Einladung von Parteichef Lucke und dessen Vize Hans-Olaf Henkel besuchte Weiss im September die AfD-Fraktion im Europaparlament in Brüssel. Die Visite habe ihn beeindruckt, sagt Weiss. "Das sind hochintelligente Leute mit ausgeprägtem ökonomischen Sachverstand." Die derzeitigen Probleme der jungen Partei, mit Mitgliedern, die dem rechtsextremen Milieu nahestehen, sieht Weiss hingegen kritisch: "Die Rechten muss die AfD wieder ausschwitzen, um mittelfristig erfolgreich zu bleiben." Er fordert, dass sich die Partei künftig wieder mehr auf eine liberale Wirtschaftspolitik konzentrieren sollte.

Henkel, wie Weiss ehemaliger BDI-Präsident, stellte weitere Beitritte oder öffentliche Sympathiebekundungen wie die von Weiss und Wall in Aussicht: "Ich bekomme immer öfter solchen Zuspruch und bald auch nicht nur unter vier Augen." Bekannte Wirtschaftsführer hätten ihm gegenüber bereits ihre Sympathie bekundet. Auch Spenden seien geflossen - allerdings unter der Meldegrenze, sodass sie nicht im Rechenschaftsbericht erscheinen würden. Namen nennt der Ex-BDI-Präsident keine, den Unterstützern sei Anonymität zugesichert worden.