Kontonummern und falsche Bestellungen Hacker spähen erneut AfD-Daten aus

Bankdaten, Privatadresse, Fake-Bestellungen: Die AfD ist erneut das Ziel von Hackern geworden. Die Eurokritiker haben Strafanzeige erstattet.

Computer: Bei der AfD auf der Suche nach Bankdaten
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Computer: Bei der AfD auf der Suche nach Bankdaten

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Berlin - Die Unbekannten hinter Austria Anonymus spotteten: "Immer diese Aufregung, wenn man mal aus dem Telefonbuch vorliest …". So lautet ein Tweet der Hacker. Denn kürzlich tauchten auf ihrer Seite ganze Listen mit Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Mitgliedern des sächsischen Landesverbands der Alternative für Deutschland (AfD) auf.

Die Eurokritiker sind seit Wochen Ziel von Hackerangriffen. Inzwischen ist das Landeskriminalamt in Berlin eingeschaltet, wo die Server der Partei stehen. Es geht um hochsensibles Material. "Es werden Kontodaten und Adressen von einzelnen Parteimitgliedern erspäht und falsche Bestellungen aufgegeben", sagt der Pressesprecher der AfD, Christian Lüth, am Freitag SPIEGEL ONLINE.

Verwundert musste die AfD-Führung um Vorstandssprecher Bernd Lucke feststellen, dass sogar Abrechnungen im Netz kursieren. "Unter anderem sind bei Austria Anonymus auch schon Rechnungen für Plakate aufgetaucht, unter anderem aus den Landtagswahlkämpfen", berichtet Lüth. Die Bundesgeschäftsstelle hat in allen Fällen Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet und juristische Schritte eingeleitet.

Hacker attackierten schon mehrmals die AfD, die erst vor eineinhalb Jahren gegründet wurde, kürzlich in die Landtage von Sachsen, Thüringen und Brandenburg einzog und im Februar mit Hamburg in das erste westdeutsche Landesparlament gelangen will. Die Täter werden vornehmlich in der linken Szene vermutet. In den vergangenen Wochen wurden auch zwei E-Mail-Accounts des Servers alternativefuer.de gehackt. "Über zwei Millionen Spam-E-Mails sind über den hauseigenen Server von Dritten verschickt worden, so dass der E-Mail-Verkehr der Geschäftsstelle für mehrere Tage lahmgelegt gewesen ist", heißt es bei der AfD.

"Unsere Website wurde mehrfach kurz vor den Landtagswahlen durch externe Angriffe zeitweise lahmgelegt und war temporär nicht erreichbar", berichtet Lüth, der lange Jahre Mitglied der FDP war und noch in der vergangenen Legislaturperiode für einen Bundestagsabgeordneten der Liberalen arbeitete. Eine solche Häufung von Hackerattacken wie jetzt bei der AfD habe auch er noch nicht erlebt.

Die AfD-Führung ist nicht nur wegen des Ausspähens der Konten von Parteimitgliedern besorgt. Denn Hacker versuchten auch bereits, im Netz gezielt gefälschte Nachrichten in Umlauf zu bringen. Kurz vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen wurde ein Twitter-Account der AfD Hessen geknackt und darüber anschließend rechtsextreme Parolen verbreitet.

Die Partei versucht, die Hackerangriffe abzuwehren. Dafür wurde ein Team von externen Informatikfachleuten und Sicherheitsexperten engagiert. Es solle "den genauen Tathergang, mögliche Lücke oder Lücken im System und die Hacker feststellen", heißt es bei der AfD.

insgesamt 38 Beiträge
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zweipi 26.09.2014
1. gezielt schaden
Einer Partei gezielt zu schaden, zeigt das man nicht über den Inhalt reden möchte. Eine faire Meinungsbildung innerhalb einer Demokratie sieht anders aus. Das den Gegnern nicht klar wird damit eher sich selber als der Partei zu schaden, ist das eigentliche traurige. Und dabei kann ich die AFD nichtmal leiden
missbrauchtewähler 26.09.2014
2. Anscheinend fehlt noch die Hörigkeitsstruktur zu den Amerikanern
Insofern werden die Institutionen der Partei an ihren empfindlichen Stellen angegriffen, sei es durch Denunziation oder eben Spionage. Die NSA beherrscht es wie keine andere Spionagegruppierung, in solche Systeme einzudringen. Wenn also die Strukturen noch nicht willfährig den Wünschen unserer "Verbündeten" folgen, dann werden sie mit allerlei Massnahmen bekämpft. Eigentlich ein gutes Zeichen für die Struktur und die noch bestehende Ehrlichkeit der Partei
kjartan75 26.09.2014
3.
Zitat von zweipiEiner Partei gezielt zu schaden, zeigt das man nicht über den Inhalt reden möchte. Eine faire Meinungsbildung innerhalb einer Demokratie sieht anders aus. Das den Gegnern nicht klar wird damit eher sich selber als der Partei zu schaden, ist das eigentliche traurige. Und dabei kann ich die AFD nichtmal leiden
Und schon wieder inszeniert man sich als Opfer. Ich arbeite in einem Bereich, wo man viel mit Minderheiten arbeitet (gegen die übrigens die AfD gerne hetzt), und auch wir sind oft Hackerangriffen ausgesetzt. Und? Die AfD muss natürlich wieder einen Popanz draus machen, um sich wieder inszenieren zu können als die gebashte Partei.
AnnaLena77 26.09.2014
4.
Zitat von kjartan75Und schon wieder inszeniert man sich als Opfer. Ich arbeite in einem Bereich, wo man viel mit Minderheiten arbeitet (gegen die übrigens die AfD gerne hetzt), und auch wir sind oft Hackerangriffen ausgesetzt. Und? Die AfD muss natürlich wieder einen Popanz draus machen, um sich wieder inszenieren zu können als die gebashte Partei.
Ach... behindert man sie auch in der freien Meinungsäußerung oder greift man sie in der Öffentlichkeit an? Zerreist man ihnen 100 000€ an Wert? Sind sie auf 'Abschuss-'/ 'Reinigungslisten' linksextemistischer Gruppen? Nein? Dann sollten sie sich nicht vergleichen. Gegen welche Minderheiten hetzt die AfD? Gibt es konkrete Beispiele?
tiehrhawtreisnezlegeips 26.09.2014
5. Wer War`s?
Ich vermute mal dahinter die Geheimdienste und erspare mir mal die komplette Aufzählung! Macht 0 Sinn dort zu hacken, wohl eher bei CDU/CSU und anderen Konsorten! Welche eine Lachnummer!
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