AfD-Wörterbuch: Was bedeutet "Frühsexualisierung"?

Dieser Beitrag wurde am 29.06.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Das AfD-Wörterbuch

Im Netz tobt ein erbitterter Kampf. Vor allem von rechts wird dabei oft mit komischen Begriffen hantiert – die ihre Wurzeln zum Teil in der Zeit des Nationalsozialismus haben. Mehr und mehr rücken diese Begriffe wieder in die Mitte unserer Gesellschaft.

Diese Übersicht stellt dir die wichtigsten Wortkreationen vor. Und was sie bedeuten sollen.

Frühsexualisierung, die

  • Wortart: Substantiv, Femininum
  • Wortherkunft: aus der Psychologie des frühen 20. Jahrhunderts.
  • Prominentes Beispiel: "Wir bekennen uns zum Recht jedes Kindes, vor Frühsexualisierung geschützt zu werden." (AfD Sachsen-Anhalt in ihrer Magdeburger Erklärung )

Was steckt dahinter? 

Der Begriff wurde früher in der Kinderpsychologie verwendet, mittlerweile ist er veraltet. Es ging um die Frage, wann ein Kind wie viel sexuelle Aufklärung erfahren darf.

Sexualkundeunterricht an Schulen hat heute das Ziel, alle Facetten der menschlichen Sexualität gleichberechtigt abzubilden – also zum Beispiel auch über Homosexualität aufzuklären. So sollen Schüler ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung erfahren und in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden.

So wird "Frühsexualisierung" in Deutschland gesucht:

Wie wird der Begriff "Frühsexualisierung" verwendet? 

Die Formulierung wird vor allem in rechtspopulistischen Kreisen als Vorwurf benutzt, dass Jugendliche viel zu früh aufgeklärt werden. Sie würden mit Themen konfrontiert, die noch gar nichts mit ihrem unschuldigen Leben zu tun hätten, Homosexualität zum Beispiel.

Die AfD will diese Form des Sexualkundeunterrichts verbieten – sie fürchtet eine "Umerziehung" von Kindern. In ihrer Magdeburger Erklärung  schreibt die Partei, es soll ”nicht Triebbefriedigung, sondern eine intakte Familie primäres Lebensziel” werden.

Was kann ich entgegnen, wenn mein rechter Onkel das sagt? 

Wer Englisch in der Schule lernt, hört nicht plötzlich auf, Deutsch als Muttersprache zu sprechen. Entsprechend ändert auch niemand plötzlich seine Sexualität, nur weil er im Unterricht von anderen Lebensentwürfen hört. 

Der Sexualkundeunterricht hat nicht das Ziel, Kinder in Bezug auf ihre Sexualität zu "erziehen". Er ist dafür da, um über Verhütung und Krankheiten, Missbrauch und Übergriffe aufzuklären – und gerade deshalb wichtig.

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