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AfD-Strohmannaffäre

Offenbar weitere dubiose Überweisung an Weidels Kreisverband

Wer sind die wahren Geldgeber? In der AfD-Strohmannaffäre sind neue Details bekannt geworden. "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR berichten von weiteren fragwürdigen Überweisungen.

DPA

AfD- Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel mit dem Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen

Donnerstag, 28.03.2019   19:47 Uhr

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In der Strohmann-Affäre um AfD-Parteichef Jörg Meuthen und AfD-Fraktionschefin Alice Weidel gibt es eine neue Entwicklung. Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichteten, sollen im April 2018 weitere fragwürdige Überweisungen in Höhe von insgesamt 38.000 Euro auf einem Konto des AfD-Kreisverbands von Weidel am Bodensee eingegangen sein. Ein Teil der Summe - 9000 Euro - habe dem Bericht zufolge ein Gönner aus Belgien überwiesen, dessen Name auch im Zusammenhang mit einer anderen dubiosen Wahlkampfspende auftaucht.

Ende 2018 hatte die AfD bei der Bundestagsverwaltung eine Liste mit 14 Personen eingereicht, die angeblich hinter einer Zuwendung von rund 132.000 Euro stünden, die im Bundestagswahlkampf 2017 über eine Schweizer Pharmafirma Weidels AfD-Kreisverband geflossen waren. Im Februar hatten der SPIEGEL und das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" publik gemacht, dass es sich bei mehreren der auf der Liste genannten vermeintlichen Spender in Wahrheit um Strohleute handelt.

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Auch AfD-Chef Jörg Meuthen, der als Spitzenkandidat seiner Partei bei der Europawahl antritt, profitierte von fragwürdigen Zuwendungen aus der Schweiz, die offenbar mithilfe von Strohleuten kaschiert wurden: Wie SPIEGEL und "Report Mainz" vergangene Woche aufdeckten, hatten mehrere Personen aus dem Rhein-Main-Gebiet ihre Namen für gefälschte Zuwendungsbescheinigungen hergegeben und dafür teils Bargeld in Höhe von bis zu 1000 Euro erhalten. Vermittelt worden sei ihnen das Geschäft von einem 60-jährigen Mann aus Süddeutschland, der vor Jahren an die spanische Costa Brava ausgewandert war.

Von "Report Mainz" am vergangenen Mittwoch in Spanien zu den Vorwürfen befragt, wollte der Mann keine Stellungnahme abgeben.

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Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" zu dem Vorgang mit den 38.000 Euro gab Weidels Anwalt an, er erkenne kein rechtswidriges Verhalten seiner Mandantin. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Konstanz habe sich auf Anfrage der drei Medien nicht äußern wollen, ebenso die Schweizer Pharmafirma. Die AfD habe angegeben, mit der Bundestagsverwaltung zu kooperieren.

Der oder die wahren Geldgeber der Zuwendungen für Weidel und zugunsten Meuthens sind weiterhin unbekannt. In Bezug auf die Strohmann-Vorwürfe hatte Parteichef Meuthen erst am Sonntag jede Schuld von sich gewiesen und beteuert: "Weder ich selbst noch meine Partei haben in dieser Angelegenheit irgendetwas zu verbergen."

srö/vks

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