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Thüringer Landtag AfD-Abgeordneter beschäftigt Ex-NPD-Mann

Er soll Recherchen machen: Der Rechtsaußen-Parlamentarier Dieter Laudenbach hat nach SPIEGEL-Informationen einen Mann mit Kontakten in die rechtsextreme Szene angestellt. Nicht der erste Fall bei der Thüringer AfD.
aus DER SPIEGEL 43/2020
Thüringer AfD-Landtagsabgeordneter Laudenbach

Thüringer AfD-Landtagsabgeordneter Laudenbach

Foto: Karina Hessland / imago images

Der Thüringer AfD-Landtagsabgeordnete Dieter Laudenbach beschäftigt einen Mitarbeiter mit Kontakten in die rechtsextreme Szene. Der Mitarbeiter Peter P. ist ehemaliges NPD-Mitglied und war mit dem "Thüringer Heimatschutz" verbandelt, in dessen Dunstkreis die rechtsextreme Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) entstand.

Das Besondere: Laudenbach bezahlt ihn aus eigener Tasche, wie der SPIEGEL aus dem Umfeld des AfD-Politikers erfuhr.

Laut Unvereinbarkeitsliste der AfD dürfen Parteimitglieder nicht der NPD angehört haben. Auch bei Mitarbeitern von Abgeordneten wird diese Distanzeinhaltung empfohlen.

Zuständig für Recherchearbeiten

Laudenbach, der vor zweieinhalb Jahren in Gera beinahe erster deutscher AfD-Oberbürgermeister geworden wäre, bestätigt die Anstellung von P., will vertragliche Details aber nicht kommentieren. Das Engagement des Ex-NPDlers gründe auf dessen "fachlichen und persönlichen Befähigungen", so Laudenbach.

P. sei für die Besetzung des Geraer Wahlkreisbüros zuständig, für Recherchearbeiten und die Beantwortung von Bürgeranfragen. P. saß von 2014 bis 2017 für die NPD im Geraer Stadtrat. Er hatte jahrelang das Rechtsrockkonzert "Rock für Deutschland" mitorganisiert und ist in der Thüringer Kameradschaftsszene vernetzt.

Laudenbach kann in der Anstellung kein Problem erkennen: Da P. kein AfD-Mitglied sei, spiele seine Vergangenheit keine Rolle. Es ist nicht die einzige fragwürdige Personalie bei der Thüringer AfD. Die Erfurter Landtagsfraktion unter ihrem Vorsitzenden Björn Höcke beschäftigt mit Martin S. einen Mann, der jahrelang in der Thüringer Neonazi-Szene aktiv war. Nun macht er für die AfD-Fraktion Öffentlichkeitsarbeit.

mrc
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