Kommentar zu AfD-Triumphen Lasst die AfD mal richtig arbeiten

Der Siegeszug der AfD verunsichert die etablierten Parteien. Union und SPD hoffen darauf, dass die Populisten sich irgendwann einfach selbst entzaubern. Am leichtesten geht das, wenn man sie mal mitregieren lässt.
AfD-Chef Lucke: Steile Thesen, viele Erfolge

AfD-Chef Lucke: Steile Thesen, viele Erfolge

Foto: Axel Schmidt/ Getty Images

Nach diesen Landtagswahlen verspürt man ein latentes Gefühl der Fassungslosigkeit. Die AfD liegt sowohl in Brandenburg als auch in Thüringen jenseits der zehn Prozent. Die AfD!

Das ist - zur Erinnerung - jene Truppe, die das Land gerne wieder so hätte, wie es vor 20 Jahren mal war. Ohne Euro, weniger bunt, mit klarem Bekenntnis zum Primat der klassischen Einverdienerehe. Nein, diese Partei passt nicht ins Deutschland des 21. Jahrhunderts. Das muss ja wohl jedem klar sein, der halbwegs bei Sinnen ist.

Ist es aber offensichtlich nicht. Und deswegen ist es an der Zeit festzustellen: Es reicht nicht, die AfD als eine Partei Ewiggestriger zu verschmähen, die die Politikverdrossenen mit ein paar wohlfeilen Thesen wegfischt, aber Vorstellungen hat, die so gaga sind, dass sie sich schon irgendwann von selbst entzaubern wird. Die AfD ist jetzt erst mal da, und je stärker ihre Mitglieder wie Schmuddelkinder behandelt werden, desto größer dürften ihre Erfolge werden. Angriffe von außen schweißen bekanntlich zusammen.

Warum eigentlich kein Lockangebot?

Diese Botschaft sollte sich langsam auch mal in den etablierten Parteien rumsprechen. Die tun immer noch so, als wollten sie die AfD unter Quarantäne stellen, als wäre Abgrenzung das beste und einzige Mittel.

Die Kanzlerin achtet penibel darauf, die AfD möglichst nicht zu erwähnen. Der Unionsfraktionschef weigert sich, sich mit AfD-Politikern in Talkshows zu setzen. Viele Sozialdemokraten meinen, der Siegeszug der Eurorebellen sei nur das Problem der anderen. Und Grüne und Linke werfen sie schon mal in einen Topf mit den Deutschnationalen von der NPD. Man kann so agieren, man muss sich dann nur nicht wundern, wenn der Balken der AfD von Landtagswahl zu Landtagswahl ein Stückchen höher wird.

Klüger wäre es, die AfD als stinknormale Partei zu behandeln, sich kritisch mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen, ihr aber eben auch mal ein Lockangebot zu unterbreiten. Warum soll zum Beispiel die Union in einzelnen Fällen nicht auch mal eine Zusammenarbeit in Aussicht stellen - unter der Bedingung, dass sich die AfD in zentralen Punkten mäßigt? Besserwisser enttarnt man am besten, indem man sie selbst mal richtig arbeiten lässt. Mit seinen steilen Thesen hat Bernd Lucke die Etablierten lange genug vor sich her getrieben. Jetzt gilt es, den Spieß mal umzudrehen.

Die Lautsprecher von der FDP (Stichwort: Mehr netto vom Brutto) hat Angela Merkel auf diese Weise schließlich auch kleingekriegt.

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