Geplatzte Suche AfD-Abgeordnete lehnen Geschäftsführer ab

Monatelang hatte eine Findungskommission der AfD-Bundestagsfraktion einen hauptamtlichen Geschäftsführer gesucht, sogar per Zeitungsanzeige. Nun wurden alle vier Kandidaten von den Abgeordneten abgelehnt.
AfD-Fraktion im Bundestag: "Gesucht: Fels in der Brandung"

AfD-Fraktion im Bundestag: "Gesucht: Fels in der Brandung"

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Im Frühjahr hatte sich die AfD-Bundestagsfraktion auf die Suche gemacht. "Fels in der Brandung", unter dieser Überschrift warb sie sogar einer großen deutschen Tageszeitung für die Stelle eines hauptamtlich angestellten Geschäftsführers.

Die Kriterien waren noch im April mit einem Schuss Selbstironie beschrieben worden. Der künftige Geschäftsführer brauche "Ausdauer und Langmut bei gleichzeitiger Durchsetzungs- und Konfliktfähigkeit sowie ein feines Gespür für das menschliche Miteinander". Belastbarkeit und "Stressresistenz" setzt die AfD-Fraktion voraus, auch seien "vorzügliche Kenntnisse in Budgetierung, Controlling, Reporting" gefragt.

Gefragt war also ein Finanzexperte, der in dem zeitweilig chaotischen Durcheinander in der internen Finanzverwaltung der Fraktion Ordnung hineinbringen sollte. Wegen der Lage hatte die Fraktionsführung sogar 2018 unabhängige Wirtschaftsprüfer eingesetzt, um die Geldflüsse und Abrechnungen kontrollieren zu lassen.

Doch aus der Besetzung dieser Stelle wird es vorerst nichts. Nachdem eine sechsköpfige Findungskommission - unter ihren die Fraktionschefs Alexander Gauland und Alice Weidel - Bewerber gesichtet hatten, wurden vier Kandidaten der Fraktion vorgeschlagen. Darunter auch Thorsten Dehne, derzeitiger Leiter des Vorstandsstabs der 91 Köpfe umfassenden AfD-Bundestagsfraktion. Der Diplom-Volkswirt, AfD-Mitglied in Berlin, galt manchen intern als heißester Anwärter auf den Posten.

Doch am Donnerstag fielen sowohl Thorsten Dehne als auch die drei anderen Bewerber bei einer Abstimmung in der AfD-Bundesfraktion durch. "Alle wurden mit großer Mehrheit abgelehnt", sagte ein AfD-Sprecher am Freitag zum SPIEGEL. Bis auf weiteres wird es demnach keinen hauptamtlichen Geschäftsführer in der AfD-Bundestagsfraktion geben. Auch wird die sechsköpfige Findungskommission - sie bestand aus dem engeren Führungspersonal der Fraktion und drei Abgeordneten - in dieser Angelegenheit pausieren.

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