Strohmannaffäre AfD-Politiker Reil dementiert Kontakte zu Milliardär in der Schweiz - Meuthen nicht

In der Affäre um Wahlkampfhilfen beteuert AfD-Vorstand Guido Reil, nie Kontakt zu Henning Conle gehabt zu haben. Parteichef Meuthen dagegen will weiterhin nicht verraten, ob er den Milliardär kennt.

Jörg Meuthen
Fabian Sommer/DPA

Jörg Meuthen

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Als Guido Reil einst im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf für die AfD antrat, gab es nicht nur offizielle Wahlplakate. In seinem Wahlkreis in Essen hingen auch Plakate, die wie die offizielle Parteiwerbung wirkten und doch von fremder Hand gesponsert wurden - mithilfe der Schweizer Werbeagentur Goal AG. Der Gegenwert der damaligen Kampagne für Reil beläuft sich auf 44.500 Euro, wie kürzlich die Bundestagsverwaltung bestätigte.

Bis heute ist unklar, wer die Finanziers sind, die 2017 für Reil und im Jahr zuvor im baden-württembergischen Landtagswahlkampf für den AfD-Co-Chef Jörg Meuthen vergleichbare Hilfsaktionen bezahlten. Im Fall Meuthen führt eine Spur nach jüngsten Recherchen des SPIEGEL und des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" zu dem in der Schweiz residierenden deutschen Immobilienmilliardär Henning Conle und dessen Familie.

Die Schweizer Zeitschrift "Bilanz" hatte 2017 für den Familienverband ein Vermögen von 1,35 Milliarden Schweizer Franken berechnet. Conle stammt ursprünglich aus dem nordrhein-westfälischen Duisburg.

Reil, der derzeit auf Platz zwei der Europaliste der AfD hinter dem Spitzenkandidaten Meuthen kandidiert, dementierte jetzt, dem Milliardär je begegnet zu sein. "Ich kenne weder Herrn Conle noch irgendeins seiner Familienmitglieder. Ich hatte auch nie, soweit ich mir bewusst bin, zu irgendeinem der Conles Kontakt", sagte AfD-Bundesvorstandsmitglied Reil auf Anfrage des SPIEGEL.

Anders hingegen verhält sich Meuthen - der Spitzenkandidat für die Europawahl am 26. Mai legt sich nicht fest. Ende vergangener Woche hatte der AfD-Chef bereits auf Anfrage des SPIEGEL und des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" mitteilen lassen, dass er nicht bereit sei zu sagen, ob er Conle kenne oder nicht. In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" weigerte sich Meuthen dann erneut, sich dazu zu äußern. In dem Interview mit dem ZDF-Journalisten Theo Koll wich Meuthen immer wieder aus:

Theo Koll: Hat der Immobilien-Milliardär Henning Conle Sie finanziell unterstützt?

Jörg Meuthen: Ich habe vorgestern klar gesagt, dass wir ab sofort darüber nicht kommunizieren. Weil dieses Spielchen nach dem immer gleichen Muster geht, und daran werde ich mich halten. Das heißt: Ich werde in dieser Spendensache gegenüber Medienvertretern, auch Ihnen gegenüber, keine Auskunft mehr geben. Wir geben vollinhaltlich Auskunft gegenüber der Bundestagsverwaltung, das müssen wir, das tun wir von Beginn an. Was ich Ihnen sagen kann - und das wirklich reinen und guten Gewissens -, ich habe nichts Unrechtes getan, ich habe nichts Illegales getan. Ich hab' auch zu keinem Zeitpunkt die Unwahrheit gesagt. Oder gelogen.

Koll: Kennen Sie denn Herrn Conle?

Meuthen: Noch einmal, ich bleibe dabei, ich werde das nicht weiter kommunizieren. Denn wenn ich Ihnen antworte, bekomme ich - nicht von Ihnen, sondern von anderen - zehn weitere Fragen. Glauben Sie mir. Ich hab' einen Europawahlkampf, auf den will ich meine Kraft konzentrieren. Und wenn ich die Medien hier ständig weiter füttere, indem ich Fragen, Fragen, Fragen beantworte, die nur weitere Fragen evozieren, kann ich meine eigentliche Arbeit nicht mehr tun. Die ist mir weiß Gott wichtiger. Wir haben im Mai eine Europawahl, da wollen wir ein richtig gutes Ergebnis erzielen. Das ist für mich maßgeblich.

Nur einräumen, was nicht mehr zu leugnen ist

Europa-Wahlkampf der AfD in Offenburg: Gauland, Meuthen und Reil (vierter von Links)
Johannes Simon/Getty Images

Europa-Wahlkampf der AfD in Offenburg: Gauland, Meuthen und Reil (vierter von Links)

Meuthens Ausweichen im ZDF scheint Teil einer Strategie zu sein, in der Finanzaffäre stets nur das einzuräumen, was ohnehin nicht mehr zu leugnen ist. So hatte er im Zusammenhang mit den fragwürdigen Wahlkampfunterstützungen der Schweizer PR-Agentur Goal AG im baden-württembergischen Landtagswahlkampf, die das ZDF-Magazin "Frontal 21" aufgedeckt hatte, zunächst von einem "unentgeltlichen Freundschaftsdienst" des Goal-Chefs Alexander Segert gesprochen.

Nach weiteren Enthüllungen von "Frontal 21" und dem Recherchezentrum "Correctiv" musste Meuthen im August 2017 dann einräumen, eine Freistellungserklärung unterschrieben zu haben, die es der Goal AG ermöglichte, Anzeigenkampagnen in Meuthens Wahlkreis zu schalten. Deren Wert bezifferte die Partei später auf rund 5300 Euro.

Plötzlich nicht mehr so auskunftswillig

Im März 2019 schließlich gab Meuthen unter dem Druck drohender neuer Enthüllungen zu, dass die Werbekampagne der Schweizer Goal AG in Wahrheit viel teurer gewesen ist - nämlich rund 90.000 Euro. Und: Die Wahlkampfunterstützung sei von zehn Unterstützern finanziert worden. "Namen darf ich Ihnen aus juristischen Gründen nicht nennen", so Meuthen in einem Interview mit der "Welt".

Als SPIEGEL und "Report Mainz" dann aufdeckten, dass es sich bei den zehn angeblichen Finanziers um teils bezahlte Strohleute handelt, wurde Meuthen wortkarg. Die Namen seien ihm von der Goal AG mitgeteilt worden, auf die übermittelte Liste "durften und dürfen wir uns verlassen", so Meuthen.

Zu der kürzlich vom SPIEGEL und "Report Mainz" enthüllten Spur der Meuthen-Strohleute zum umstrittenen Immobilien-Milliardär Henning Conle wollte sich der AfD-Chef dann gar nicht mehr äußern. Conle selbst war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

Das Politikmagazin "Report Mainz" sendet am heutigen Dienstag - 9. April 2019 - eine Rekonstruktion der Meuthen-Affäre: 21.45 Uhr, ARD.

insgesamt 44 Beiträge
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claus7447 09.04.2019
1. Man darf schon mal die Frage stellen: Warum
Es wäre ja für die AfD von Vorteil wenn es Conle wäre - ich gehe dabei in der Annahme das dier werte Herr noch einen deutschen Pass hat - sollte dies nicht der Fall sein - ist eh wurscht. Aber ich vermute: Meuthen macht den Kohl. Er denkt, wenn Kohl damit für sich die Sache löste, mach ich das auch so. Sind halt Ehrenmänner - ops, nicht vergessen, Ehrenfrauen (Weidel) gibt es ja auch noch.
ingbuzzer 09.04.2019
2.
Ich mag die AFD nicht! Zum einen wegen ihrer politischen Inhalte und zum anderen wegen ihrer Personen. Aber was in letzter Zeit für ein Hype gemacht wird um diese Spendensache kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Soweit ich das verstanden habe, sind Parteispenden eine ganz normale Sache. Die meisten Parteien finanzieren sich überwiegend durch Spenden dritter, in der Regel reicher Personen, was man medial durchaus mal kritisieren und zur Diskussion stellen könnte. Juristisch gesehen ist es aber nur legal wenn man Spenden von Deutschen oder Staatsbürgern von EU Ländern erhält. Warum das so ist, versteht keine Sau. Spenden aus Slowakei, Kroatien, Rumänien sind in Ordnung, Spenden aus der Schweiz hingegen nicht. Was für ein Quatsch!
hegauloewe 09.04.2019
3. Ist doch Klar warum Reil
die Kontakte leugnet. Er führt sich ja gerne als einfacher Arbeiter, als Typ von Nebenan auf. Da wäre es doch geradezu absurd, zuzugeben, dass ein Milliardär zu den Finanziers seines Wahlkampf gehört. Der Reil macht doch immer auf superehrlich und volksnah. Aber er ist schon lange zu einer rechten Socke und zu einem gierigen Diätenjäger mutiert. Typisch AfD halt.
Nur ein Blog 09.04.2019
4.
Sowohl Alexander Segert, Inhaber der Werbeagentur Goal wie auch Henning Conle sind deutsche Staatsbürger und m.E. ziemlich überzeugte dazu. Ich denke, es mache schon einen Unterschied, ob in diese "Grossspendenaffäre" Deutsche im Ausland oder Ausländer verwickelt seien. Deutsche Staatsbürger im Ausland dürfen wählen wie inländische Staatsbürger. Also sollten sie eigentlich auch spenden dürfen wie Deutsche im Inland. Grossspenden AUS SCHWEIZ macht sich eben schon besser in den Titeln als Auslanddeutscher spendet für die AfD. Die Schweiz, huch, eine "europafeindliche" "fremde Macht", pfui - die deutsche Demokratie ist in Gefahr, wird vom Ausland aus gesteuert! Ein im Ausland wohnhafter Deutscher Staatsbürger, um solche dreht es sich ja letztlich, sollte eigentlich weder vom deutschen Recht noch den Medien als "gefährlicher EU-Drittstaaten-Ausländer" dargestellt werden.
haarer.15 09.04.2019
5. Meuthen
Nun - das Schweigen zu dem ominösen Milliardär und Fädenzieher Conle sagt doch schon alles. Da gärt doch gehörig was unterm Deckel. Unappetlich ! Und dieser Herr einer sauberen rechtschaffenen Alternative möchte als Spitzenkandidat ins Europaparlament gewählt werden ? Mit solchen Verstrickungen ? Sauber. Solche Pseudo-Alternativen als Volksvertreter braucht das Parlament:-((
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