Homosexuelle in der Partei "Die AfD ist nicht schwulenfeindlich"

Die AfD wettert gegen Homo-Ehe und angeblichen Gender-Wahnsinn. Wie hält man das aus - als schwules Parteimitglied? Ein Anruf bei der "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD".
Von Maximilian Gerl
AfD-Demo in Erfurt (Archivbild): Stramm konservativ - auch beim Thema Familie

AfD-Demo in Erfurt (Archivbild): Stramm konservativ - auch beim Thema Familie

Foto: AP/dpa

Politiker der "Alternative für Deutschland" (AfD) machen immer wieder mit Ausfällen gegen Homosexuelle Schlagzeilen. So bezeichnete Björn Höcke Gender-Mainstreaming als "Geisteskrankheit" , Beatrix von Storch nannte es eine "politische Geschlechtsumwandlung" .

Eine Thüringer AfD-Abgeordnete sorgte für Aufregung, als sie bei der Landesregierung nachfragte, wie viele homosexuelle Menschen in ihrem Bundesland leben . In Baden-Württemberg zieht die AfD "gegen die volkserzieherische Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen" in den Wahlkampf.

Aber Mirko Welsch sagt, die Partei sei "nicht schwulenfeindlich." Welsch ist Sprecher der Homosexuellen in der AfD.

Zur Person
Foto: AfD

Mirko Welsch, 38, ist Bundessprecher der "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD". Die Gruppe wurde 2014 innerhalb der AfD gegründet, Welsch steht ihr gemeinsam mit dem Bremer Alexander Tassis vor. Welsch ist stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Saarbrücken und Bezirksrat in Saarbrücken-Dudweiler.

SPIEGEL ONLINE: Die AfD und Homosexuelle - wie passt das zusammen?

Mirko Welsch: Sehr gut. Es ist ein typisches Vorurteil, dass alle Homosexuellen grün, links oder liberal wählen müssten. Tatsächlich gibt es viele Homosexuelle, die konservativ denken. In einer Leser-Umfrage des "Männer"-Magazins - eine Zeitschrift, die sich an Homosexuelle richtet - ist die AfD auf Platz drei gelandet. Die AfD ist nicht schwulenfeindlich, auch wenn ihr das immer wieder vorgeworfen wird.

SPIEGEL ONLINE: Nicht schwulenfeindlich? Ihre Bundesvorsitzende Frauke Petry redet Homophobie klein . Im Wahlprogramm von Baden-Württemberg werden alle nicht heterosexuellen Orientierungen als "gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen" bezeichnet.

Welsch: Solche Aussagen sind nicht glücklich formuliert. Aber sie sind bestimmt kein Angriff auf Homosexuelle. Gleichberechtigung ist zwar wichtig, trotzdem dürfen wir vor lauter Gender-Mainstreaming die traditionellen Familien nicht aus den Augen verlieren. Gerade die wurden in den letzten Jahren von der Politik viel zu wenig berücksichtigt.

SPIEGEL ONLINE: Nun ja, es wurde viel für Familien getan, besonders was die Vereinbarkeit mit dem Berufsleben angeht. Die juristische Gleichstellung homosexueller Partnerschaften ist dagegen immer noch nicht vollzogen.

Welsch: Das stimmt, in dem Punkt besteht Luft nach oben. Aber alle Freiheiten nutzen uns nichts, wenn sie auf einer falsch verstandenen Toleranz beruhen und in zehn Jahren wieder verschwinden.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie damit?

Welsch: Wir beobachten immer mehr Angriffe auf Homosexuelle, auch durch Flüchtlinge. Und die Zuwanderung nach Deutschland hält weiter an. Wir befürchten, dass dadurch die Angriffe auf uns weiter zunehmen werden und sich die Gesellschaft in eine Richtung verändert, in der unsere Rechte nichts mehr gelten. Dagegen müssen wir uns wehren.

SPIEGEL ONLINE: Für uns sieht es eher so aus, als müssten Sie sich gegen Ressentiments in den eigenen Reihen wehren. Ist Ihre Gruppe nur ein Feigenblatt, um Homophobie-Vorwürfe an die AfD zu relativieren?

Welsch: Das sind Unkenrufe. Tatsächlich hat unsere Gruppe ihren festen Platz in der AfD, wir sind in der Parteiarbeit sehr aktiv. Natürlich hat die AfD in gewissen Bereichen Nachholbedarf, aber wir sprechen das dann an und werben um Akzeptanz.

SPIEGEL ONLINE: Wie muss man sich das vorstellen: Liebe Frau von Storch, vermeiden Sie bitte Formulierungen wie "politische Geschlechtsumwandlung"? Liebe Frau Petry, könnten wir uns nicht doch für die "Homo-Ehe" einsetzen?

Welsch: Wir klären solche Sachen prinzipiell intern. Natürlich stehen wir mit der Parteispitze in Kontakt. Ein Mitglied des Berliner Landesvorstandes ist ein enger Mitarbeiter von Frau von Storch und homosexuell, insofern werden unsere Anliegen sehr wohl berücksichtigt.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Gruppe gibt es seit Mai 2014. Damals ging es vorrangig um den Euro, heute ist die AfD stramm rechtskonservativ. Das sieht nicht so aus, als hätten Sie etwas verändern können.

Welsch: Das wirkt vielleicht nach außen so, parteiintern haben wir schon etwas bewegt. Außerdem gibt es ja genug Themen zu beackern. Ich bin damals wegen der deutschen Europolitik in die AfD eingetreten - darüber würde ich lieber sprechen oder über TTIP oder direkte Demokratie. Aber Zuwanderung und Integration sind eben derzeit die beherrschenden Themen, darum müssen wir uns kümmern.

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