Klimaschutz-Debatte AfD unterstützt Anti-Greta-Aktivisten

Die AfD setzt aufs Klima-Thema: Die Rechtspopulisten fischen bei den Kritikern der Aktivistin Greta Thunberg nach Stimmen - und werben nach SPIEGEL-Informationen für die Online-Protestgruppe "Fridays for Hubraum".
AfD-Chef Jörg Meuthen: "Ideologischer Irrsinn der Ökoaktivisten"

AfD-Chef Jörg Meuthen: "Ideologischer Irrsinn der Ökoaktivisten"

Foto: ANNEGRET HILSE/ REUTERS

Gegründet wurde die Gruppe eher aus einer Laune heraus. Zwei Wochen ist es erst her, dass ein paar Freunde aus der Autotuner-Szene sie auf Facebook ins Leben gerufen haben. Doch "Fridays for Hubraum" hat mittlerweile mehr als 540.000 Mitglieder.

Nun bekommt die umstrittene, geschlossene Facebook-Gruppe Unterstützung von der AfD-Spitze. Der Parteivorsitzende Jörg Meuthen sagte dem SPIEGEL: "'Fridays for Hubraum' ist eine logische und vernünftige Reaktion gegen den ideologischen Irrsinn der Ökoaktivisten." Zuvor hatte die neue sächsische AfD-Fraktion die Gruppe bei Facebook beworben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+ .)

Die AfD-Bundestagsfraktion setzt derweil voll auf das Klimathema. Sie plant ein Filmprojekt, das sich kritisch mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg beschäftigt, mit dem "Ökowahn und den Lobbyisten, die dahinterstecken", so Fraktionssprecher Christian Lüth.

Die Gruppe "Fridays for Hubraum" wurde Ende September gegründet. Vorige Woche hatten die Macher um den Autotuner Christopher Grau sie zeitweilig geschlossen, da es darin zu Mordaufrufen und Vergewaltigungsfantasien gegen Thunberg gekommen war.

Politiker der Regierungsparteien beobachten den Zulauf für die Gruppe mit Sorge. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte dem SPIEGEL: "Wir wollen und müssen den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen, und das gelingt nur mit Akzeptanz bei den Bürgern und nicht gegen die Bürger."

Dobrindt verteidigt das Klimapaket der Großen Koalition gegen seine vielen Kritiker: "Wer die Kosten des Klimaschutzes vorrangig auf Familien, Pendler und die ländlichen Räume verlagern will, der erntet zwangsläufig Protest und fördert das Risiko einer Gelbwestenbewegung auch in Deutschland", sagte er dem SPIEGEL.

Zudem warnt der CSU-Politiker davor, in Sachen Klima keine offenen Debatten zu führen: "Wenn beim Klimaschutz betreutes Sprechen zur gesellschaftlichen Realität wird, man also nicht mehr sagen darf, was man denkt, vertieft dies eine Spaltung in unserer Gesellschaft."

Fridays-for-Hubraum-Aktivist Christopher Grau behauptete dem SPIEGEL gegenüber, die Gruppe sei "unparteiisch und offen", er wolle darin "Sachlichkeit und keinen extremistischen Scheiß". Man greife durch gegen alle Mitglieder, die Regeln der Gruppe verletzten: "Auffällige Accounts haben keine Chance."

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