Richtungskampf AfD-Vize Gauland greift Parteichef Lucke an

Der interne Richtungskampf bei der Alternative für Deutschland geht weiter. Jetzt wirft Alexander Gauland Parteichef Bernd Lucke vor, die Partei spalten zu wollen.

Schlechte Stimmung in der AfD: Alexander Gauland greift Parteichef Bernd Lucke an
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Schlechte Stimmung in der AfD: Alexander Gauland greift Parteichef Bernd Lucke an


AfD-Parteivize Alexander Gauland hat dem Vorsitzenden Bernd Lucke vorgeworfen, aus machtpolitischen Gründen gegen den NRW-Landeschef Marcus Pretzell zu agieren. Eine knappe Mehrheit des Bundesvorstands hatte Pretzell am Dienstag mit der Begründung abgemahnt, eigene Fehler geschönt dargestellt zu haben. Pretzell habe einen chaotischen Führungsstil, kritisierte die Parteispitze. Wie das Handelsblatt berichtet, seien mit der Abmahnung aber keine konkreten Konsequenzen verbunden.

Grund für die Verwarnung war eine angebliche Steuerschuld des Juristen und Immobilienentwicklers Pretzell, in dessen Verlauf kurzzeitig ein Finanzamt das Parteikonto der AfD in Nordrhein-Westfalen pfändete. Vom Verdacht, der Partei finanziell geschadet zu haben, wurde Pretzell allerdings von Sonderprüfern entlastet.

Gauland sagte dem Handelsblatt mit Blick auf Lucke: "Er will sich mit seiner Linie durchsetzen - und da ist Pretzell und der Landesverband Nordrhein-Westfalen ein schwerer Brocken auf dem Wege, den er gerne beiseite geräumt hätte." Und er fügte hinzu: "Herr Lucke eint keineswegs die Partei, sondern er spaltet sie weiter."

Hinter dem Machtkampf in der AfD steht aber auch ein Richtungsstreit: Lucke vertritt wirtschaftsliberale Positionen, Gauland eher nationalkonservative. Am 13. Juni wählt die AfD einen neuen Bundesvorstand. Lucke will ab Jahresende alleiniger Parteivorsitzender sein.

Ein Mitgliederentscheid soll nun für Klarheit sorgen und ist gleichzeitig eine Kampfansage an den rechten Parteiflügel. Lucke hat Berichten der "Schwäbischen Zeitung" und des rbb zufolge in einem Schreiben die AfD-Mitglieder darum gebeten, einem Entscheid zuzustimmen, der jeglichen Kontakt mit "Organisationen im Dunstkreis des Rechtsradikalismus" untersagt.

aer/kry/dpa/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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unixv 23.04.2015
1. ist mir egal ....
was die AFD macht oder nicht macht. Solange unsere Rentner weniger Rente bekommen " ca. 700€!" als jeder Migrant oder Flüchtling, werde ich die AFD wählen! Warum regt sich von den ... Politikern .. keiner auf über Kinderarmut oder arme Rentner? Wie viele arme Kinder leben bei uns 10 oder doch schon 12 Millionen? Eines ist mal sicher, ich wähle NIE wieder SPDGrüneCDU!
sober 23.04.2015
2.
Herr Gauland spaltet die Partei, denn er will sie zu einer strammen Rechtspartei ohne Berührungsängste zu Pegida und der militanten Szene machen. Dieser Kurs widerspricht der Gründungsidee der AfD. Warum gehen Gauland, Petry und wie sie alle heißen nicht gleich zur NPD? Weil sie Lucke und Henkel als demokratische Feigenblätter missbrauchen wollen?
prunelle 23.04.2015
3.
Ein Politiker der seine Linie durchsetzen möchte. Ist ja mal etwas ganz Neues und gibts in etablierten Parteien so gar nicht. Äh...Merkel, anyone? Davon abgesehen bin ich hier in NRW froh wenn P. gestutzt wird.
derinvestigator 23.04.2015
4. Schluss mit den Grabenkämpfen in der AfD – vereinter Kampf gegen den Eurowahnsinn!
Gerade jetzt, wo Merkels und Schäubles Eurowahnsinn sich als Schwachsinn demaskiert, bestimmen abstoßende Grabenkämpfe das Bild der AfD in der Öffentlichkeit, während die Politik der AfD überhaupt nicht mehr kommuniziert wird. Dabei sollte jedem Anhänger/Sympathisanten klar sein, dass Lucke, Starbatty und Henkel die Aushängeschilder der Partei sind; deren wirtschaftspolitische Kompetenz dringlichst gebraucht wird. Der Kampf gegen den Eurowahnsinn ist das Alleinstellungsmerkmal der AfD; einzig und allein damit kann und muss die Partei punkten und deshalb muss der eurokritische Kurs viel deutlicher herausgestellt werden. Eine ostdeutsch geprägte Protestpartei unter Gauland, Petry und Adam ist im Westen nicht überlebensfähig, weil diese die eher unwesentlichen Fragen in den Mittelpunkt stellen: Ob Homoehe ja oder nein, Herdprämie, Islam, Pegida-Bewegung, Maut oder sonst was - das sind Marginalien im Vergleich zur Eurofrage und den idiotischen Rettungsschirmen, denn diese überragen an Bedeutung alles andere. Lucke und sein engerer Führungszirkel müssen auch deshalb unterstützt werden, weil sie für demokratische Erneuerungen, wie z. B. die Forderung nach Volksabstimmungen eintreten. Wenn dieser Richtungsstreit nicht bald beendet wird, ist das Ende der AfD, die sich als Partei der Vernunft versteht, gekommen.
spon-facebook-10000387603 23.04.2015
5. Hervorragend!
Die sollen nur so weitermachen, dann erledigt sich das von ganz allein. Die AfDler schaffen es noch nicht einmal, in NRW eine ordentliche Mitgliederversammlung auf die Beine zu stellen. Wie peinlich ist das denn? Jeder Taubenzüchterverein schafft das, aber eine "Partei" wie die AfD nicht. Allmählich muß man sich fragen, ob der Begriff "Partei" auf diese Gruppe von Grumpy Old Men überhaupt noch anwendbar ist. Da sehnt man sich förmlich nach der FDP zurück. Und ich ahb seinerzeit die Sektkorken knallen lassen, als die Liberalen aus dem Budnestag flogen. Es war zwar verdient, aber da hofft man ja mittlerweile, dass sie es wieder schaffen.
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