Käuflichkeits-Vorwürfe der AfD Stefan Aust verkündet Rauswurf von "Welt"-Journalist

Die "Welt" entlässt ihrem Chefredakteur Stefan Aust zufolge einen ihrer Redakteure. Günther Lachmann war vorgeworfen worden, er habe von der AfD Geld für Beratung verlangt.
AlD-NRW-Landeschef Pretzell: Schwere Vorwürfe an "Welt"-Reporter Lachmann

AlD-NRW-Landeschef Pretzell: Schwere Vorwürfe an "Welt"-Reporter Lachmann

Foto: DPA

Der Journalist Günther Lachmann verliert offenbar seinen Job bei der Tageszeitung "Die Welt". Das erklärte "Welt"-Chefredakteur Stefan Aust am Samstagnachmittag via Twitter . "'Die Welt' trennt sich von Günther Lachmann." Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Aust: "Solange wir Mitarbeitern kein unredliches Verhalten nachweisen können, stehen wir hinter ihnen, wenn es andere Informationen gibt, trennen wir uns von ihnen."

Grund für den Rauswurf ist ein Konflikt im Zusammenhang mit der AfD: Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell hatte Lachmann kürzlich via Facebook vorgeworfen, er habe der Partei seine Dienste als Berater angeboten, für ein Honorar von 4000 Euro pro Monat.

"Herr Lachmann wollte zwar die AfD und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei 'Die Welt' nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD", so Pretzell auf Facebook.

Die AfD habe das abgelehnt, daraufhin habe Lachmann begonnen, in der "Welt" kritischer über die Partei zu berichten. Pretzell ist der Lebensgefährte von AfD-Chefin Frauke Petry. Er warf dem Journalisten in dem Posting "herabwürdigende Bemerkungen" über Petry vor.

Lachmann selbst hatte die Vorwürfe, er habe sich von der AfD bezahlen lassen wollen, bestritten. Gegenüber SPIEGEL ONLINE hatte "WeltN24"-Chef Aust am Freitag erklärt: "Günther Lachmann hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass die Vorwürfe unbegründet sind. Ich habe ihn dazu ermutigt, rechtliche Schritte zu ergreifen, was er auch tut. Der Verlag unterstützt ihn dabei." Nun aber liegen der Führungsspitze der "Welt" offenbar neue Informationen vor.

"Junge Freiheit" zitiert aus Emails von Lachmann an AfD

Am Samstag hatte die nationalkonservative Zeitung "Junge Freiheit" online berichtet, ihr lägen E-Mails von Lachmann vor, in denen er der Pressesprecherin Pretzells konkrete Vorschläge gemacht habe, wie die Partei sich öffentlich besser darstellen könne.

In den zitierten E-Mails heißt es etwa: "Wir sprachen gestern darüber, wie die AfD ihr national-konservatives Stigma los wird. Dazu kam mir eine Idee, die ich schnell mal aufgeschrieben habe. Lassen sie sich den Text mal einige Tage durch den Kopf gehen." In einem dazugehörigen stichpunktartigen Konzept empfiehlt Lachmann laut der Wochenzeitung dann, die AfD zu einer "Partei der verantwortungsbewussten Demokratie" zu entwickeln.

Vier Tage später legte Lachmann nach Angaben des Blattes mit einem "Konzept für ein Manifest der Verantwortungsdemokratie" nach. "Die Partei braucht dringend einen ideologisch-weltanschaulichem Überbau", schrieb er in einer Mail an Pretzells Pressesprecherin Kerstin Garbracht. "Ich habe mal ein Manifest der Verantwortungsdemokratie skizziert, aus dem sich die AfD und folglich auch ihr Programm ableiten kann." Und weiter: "Es ist die Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen." Die "Junge Freiheit" schreibt von einem fünf Punkte umfassendes zweiseitiges Konzept, das dem beigelegt.

Das Blatt zitiert zudem Pretzells Anwalt, wonach die Mails Lachmanns an Garbracht "eindeutige Grenzübertritte eines angeblich 'unabhängigen' Journalisten und ein eindeutiges Anbiedern" an Pretzell und die AfD seien. Nach Ansicht des Anwalts habe sich Lachmann strafbar gemacht, wenn er tatsächlich eine eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.