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26. Mai 2014, 03:12 Uhr

Wählerwanderung

AfD holt fast 900.000 Stimmen von der Konkurrenz

Von , und (Grafik)

Die Alternative für Deutschland ist der Stimmenstaubsauger der Europawahl. Im Vergleich zur Bundestagswahl gewinnt sie Hunderttausende Stimmen aus dem Lager von SPD, Union oder Linken. Allerdings gingen viele ihrer Anhänger diesmal gar nicht wählen. Fünf Fakten zur Wählerwanderung.

Berlin/Brüssel - Bei der Europawahl wird gerne mit Stimmen experimentiert. Manch einer möchte seine Stammpartei abstrafen oder für Parteien votieren, denen man bei einer Bundestagswahl womöglich keine Chance geben würde. Wohl auch deshalb gab es bei dieser Europawahl ungewöhnlich viel Bewegung im Stimmverhalten. Fünf Fakten zur Wählerwanderung:

1. Die AfD ist der Stimmenstaubsauger des Wahlabends. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 nahm die Alternative für Deutschland CDU und CSU über eine halbe Million Stimmen. 180.000 Stimmen bekam sie von Bürgern, die im September noch SPD gewählt hatten.

Aber auch von Linken, FDP und Grünen zog die AfD, die in allen Altersgruppen punkten konnte, Stimmen im fünf- und sechsstelligen Bereich. Insgesamt holte die AfD 890.000 Stimmen von ihren Konkurrenten. Etwa ebensoviele Wähler verloren die Euro-Kritiker jedoch an das Lager der Nichtwähler. Ihr prozentualer Zuwachs gegenüber der Wahl im September war vor allem der niedrigeren Wahlbeteiligung bei der Europawahl geschuldet.

2. Die SPD bekam viele Stimmen von CDU und CSU. Einen großen Anteil ihrer Stimmen bekam die SPD aus dem Unionslager - nämlich mehr als 340.000 im Vergleich zur letzten Bundestagswahl. Auch von der Schwäche der FDP profitierten die Sozialdemokraten. Allerdings verlor die SPD wiederum Stimmen an Grüne, Linke und AfD.

3. Die FDP-Wähler zerstreuen sich. FDP-Wähler der letzten Bundestagswahl zog es bei der Europawahl vor allem zur SPD und AfD sowie zu den Grünen. Hier zeigt sich, dass frühere FDP-Wähler anscheinend in vielen anderen Parteien eine neue politische Heimat finden können.

4. Die Sonstigen sind gestärkt. Wahrscheinlich liegt es auch am Wegfall der Sperrklausel: Viele Bürger haben Mini-Parteien ihre Stimme gegeben. Mehr als 400.000 Menschen, die bei der Bundestagswahl noch CDU oder CSU wählten, entschieden sich bei der Europawahl für eine kleine Partei. Auch bei SPD, Linken und Grünen gab es diesen Effekt.

5. Die Wähler bleiben nicht bei der Stange. Wie sieht es mit der Mobilisierung aus? Kann man aus einer erfolgreichen Bundestagswahl einen Sieg bei der Europawahl schöpfen? Nein. So blieben mehr als sechs Millionen Menschen, die noch im Herbst 2013 Union wählten, bei der Europawahl zu Hause. Im SPD-Lager gibt es mehr als drei Millionen Nichtwähler.

Das zeigen Analysen der Meinungsforscher von Infratest dimap im Auftrag der ARD auf Grundlage des vorläufigen Endergebnisses.

Wie viele Menschen stimmten bei der Europawahl anders als bei der letzten Bundestagswahl? Wo gab es die größten Verschiebungen zwischen den Parteien? Die Antworten im Überblick:


Für mehr Informationen lesen Sie die Höhepunkte des Wahlabends im Minutenprotokoll nach. Sehen Sie die Deutschland-Ergebnisse für die Europawahl hier:

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