AfD will "weiße Männer" mit Adventskalender ehren – würdigt stattdessen Sohn eines geflohenen Syrers

Auch im Kalender: Juden und Antifaschisten

Dieser Beitrag wurde am 08.12.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Die Adventszeit gilt vielen als Zeit der Besinnung, Nächstenliebe und Toleranz. Genau aus diesem Grund haben Aktivistinnen und Aktivisten zum Beispiel einen Anti-AfD-Adventskalender gestartet – mit dem sie ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen. Erster Coup war ein gefälschtes Coca-Cola-Plakat, auf dem der Weihnachtsmann vor der AfD warnt. (bento)

Wohl auch als Gegenentwurf hat die Berliner AfD ihren eigenen Adventskalender gestartet. Und auch darin soll es Türchen für Türchen um Nächstenliebe gehen – nämlich für den "weißen Mann".

Nach Ansicht der Berliner AfD-Fraktion wird der "weiße Mann" mittlerweile unterdrückt. Die Floskel werde als Schimpfwort benutzt, Leistungen weißer Männer für die Zivilisation würden kaum noch gewürdigt. Die Partei hat dazu extra den Hashtag #JazuWeißenMännern  gestartet.

Nun sind zwar 36 der 50 reichsten Männer der Welt laut Forbes  weiße Männer und von den laut der Uno  am weitesten entwickelten 20 Industrienationen werden zwölf von weißen Männern angeführt – aber die AfD will dennoch herausstellen, wer in der Gesellschaft eine herausgestellte Rolle spielt.

Bei einigen der ersten Türchen wurden unter anderem der antifaschistische Autor Bertolt Brecht und der jüdische Physiker Albert Einstein gewürdigt. Einstein floh vor den Nationalsozialisten in die USA.

Allerdings scheint die AfD-Fraktion nicht genügend herausragende weiße Männer gefunden zu haben. Denn schon hinter dem Türchen für den 7. Dezember verbarg sich: der Sohn eines syrischen Geflüchteten.

Vorgestellt wurde nämlich Apple-Gründer Steve Jobs, dem wir unter anderem Macbooks und iPhones verdanken. Er sei ein Visionär und habe "Alternativloskeit" genauso abgelehnt wie die AfD, so ein Abgeordneter über den Tech-Guru:

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Was die AfD entweder nicht wusste – oder lieber verheimlichen wollte: Der "weiße Mann" hat syrische Wurzeln. Steve Jobs wurde als Sohn eines syrischen Flüchtlings und einer Deutsch-Amerikanerin in den USA geboren und zur Adoption freigegeben (USA Today ).

Dass die AfD nun Steve Jobs in einem Kalender weißer Männer würdigt, muss aber nichts schlechtes sein.

Es zeigt, dass nicht jeder Geflüchtete eine "Gefahr" ist, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaft sein kann. Es zeigt, dass Herkunft eben nicht alles ist – sondern vielmehr die Frage, wie jemand aufgenommen und integriert wird und dann eine Chance bekommt, sich zu verwirklichen. 

Wenn das inzwischen selbst die AfD zu würdigen weiß, könnte es wirklich noch eine besinnliche Weihnachtszeit werden.

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