Antisemitische Tendenzen Zentralrat der Juden kritisiert AfD

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist besorgt über antisemitische Vorfälle bei der AfD. Präsident Dieter Graumann fordert die Parteispitze auf, Judenhass klar zu ächten.
Dieter Graumann: Sorge vor Antisemitismus bei der AfD

Dieter Graumann: Sorge vor Antisemitismus bei der AfD

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Berlin - "Judenhass gehört nicht in die Politik, sondern geächtet." Mit klaren Worten hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, die AfD-Führung aufgerufen, gegen antisemitische Vorfälle in der Partei vorzugehen. "Gerade eine neue Partei wie die AfD wäre gut beraten, sich glaubwürdig an diesen Grundsatz deutscher Politik zu halten", sagte Graumann der "Bild am Sonntag".

Hintergrund sind Vorwürfe gegen den Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneten Jan-Ulrich Weiß, der über seine Facebook-Seite eine antisemitische Karikatur verbreitet haben soll. Der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland will Weiß aus Partei und Fraktion ausschließen, der will jedoch sein Mandat behalten.

Der Publizist und ehemalige Zentralratsvizepräsident Michel Friedman macht den AfD-Bundesvorsitzenden Bernd Lucke für diese Tendenzen mitverantwortlich. "Lucke scheint blind und taub zu sein, wenn die AfD rechtspopulistisch brüllt. Wenn der Parteichef sich nicht endlich klar und glaubwürdig gegen rechte Tendenzen wehrt, muss er sich genau diese zurechnen lassen."

"Die AfD erinnert mich an die Republikaner"

Zuvor hatte bereits Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Partei mit den rechtsextremen Republikanern verglichen. "Wir müssen uns mit diesen Populisten mit aller Entschiedenheit auseinandersetzen", sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Die AfD propagiere Fremdenfeindlichkeit, instrumentalisiere Ausländerkriminalität und verunglimpfe offene Grenzen. Sie sei eine Gruppierung, "die hemmungslos alles demagogisch missbraucht, was man missbrauchen kann", kritisierte Schäuble. "Das ist unfassbar und erinnert mich an die Republikaner, die in den Neunzigerjahren im Landtag von Baden-Württemberg saßen."

AfD-Chef Lucke wies Schäubles Vorwürfe barsch zurück: "Die niveaulosen Angriffe des Bundesfinanzministers offenbaren seine Hilflosigkeit im Umgang mit einer Partei, die der Bevölkerung gerade gegenüber seiner Politik die Augen öffnet und wachsenden Zuspruch findet", sagte Lucke der Onlineausgabe des "Handelsblatts".

Lucke nannte den CDU-Politiker einen "Volksverführer". Schäuble habe das Volk "nie aufrichtig darüber informiert, welche Risiken sich mit der deutschen Haftung für europäische Schulden verbergen".

syd/dpa