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15. August 2011, 19:09 Uhr

Affäre in Schleswig-Holstein

Boetticher tritt auch als Fraktionschef zurück

Nach dem Parteivorsitz gibt er ein weiteres Führungsamt ab: Christian von Boetticher leitet künftig nicht mehr die CDU-Fraktion im Kieler Landtag. Nachdem seine Beziehung zu einer Minderjährigen bekannt geworden ist, wolle er mit dem Rücktritt weiteren Schaden abwenden.

Kiel - Nach dem Wirbel um seine Beziehung zu einer Minderjährigen ist der schleswig-holsteinische CDU-Politiker Christian von Boetticher auch als Fraktionsvorsitzender seiner Partei zurückgetreten. Zuvor hatte er bereits den Posten des Parteivorsitzenden in dem nördlichen Bundesland abgegeben.

Auf seiner Homepage ist noch Boettichers Motto zu lesen: "Mehr Einfluss. In Kiel. Für Sie!" Doch der Einfluss des 40-Jährigen in der schleswig-holsteinischen CDU ist künftig begrenzt. Seinen Rücktritt vom Fraktionsvorsitz erklärte er damit, dass er "weiteren Schaden von meinem Umfeld, von meiner Fraktion und von meiner Person" abwenden wolle. "Der mediale Druck der vergangenen 48 Stunden, der Menschen, die ich schützen möchte, schwer belastet, macht es mir unmöglich, diese Erklärung persönlich am Dienstag vor der Fraktion abzugeben", erklärte er.

Sein Landtagsmandat wolle er behalten, so Boetticher, "aus Verantwortung für die bürgerliche Koalition". CDU und FDP haben im Kieler Landtag nur einen Sitz mehr als die Oppositionsparteien SPD, Grüne, Linke und SSW zusammen.

"Besorgt und nicht amüsiert"

Der 40-Jährige zieht mit dem Rücktritt von seinen Führungsämtern die Konsequenz aus einer Liebesbeziehung zu einer damals 16-Jährigen, die er im vorigen Jahr hatte. Seine Beziehung zu dem jungen Mädchen, das er über Facebook kennengelernt haben soll, beschrieb Boetticher am Wochenende vor der Presse unter Tränen mit den Worten: "Es war schlichtweg Liebe." Er habe sich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und sei mit ihr mehrere Monate zusammen gewesen, sagte der CDU-Politiker in Kiel. Er sprach von einer "ungewöhnlichen Liebe", die aber vom Umfeld akzeptiert worden sei.

Über Boettichers Nachfolger an der Fraktionsspitze wurde bereits spekuliert. Als mögliche Kandidaten gelten die Fraktionsvizes Hans-Jörn Arp und Johannes Callsen sowie Finanzexperte Tobias Koch.

Wer Boetticher als CDU-Landesvorsitzender folgt, ist bislang noch nicht klar. Die Anzeichen verdichten sich, dass Landeswirtschaftsminister Jost de Jager den Posten übernehmen soll - und die CDU ihn bei den Landtagswahlen im Mai 2012 als Spitzenkandidaten ins Rennen schickt. Der 46-Jährige hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa seine Bereitschaft bereits signalisiert. Am Dienstagabend wird die komplette Parteispitze der CDU das weitere Vorgehen beraten.

Zur Suche eines neuen Parteichefs sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, er halte es für notwendig, dass die Basis stark eingebunden sei. Auch ein Mitgliederentscheid sei denkbar, wenn es mehrere Kandidaten gebe. Er selbst habe am 13. Juli erste Gerüchte über die Beziehung Boettichers gehört, kurz bevor er selbst auf eine Auslandsreise ging. Am 9. August habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel informiert. Sie sei besorgt und nicht amüsiert gewesen.

kgp/dapd/AFP/dpa

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