Schutz von Ortskräften Laschet verspricht Aufnahme aller afghanischen Helfer – wenn er gewählt wird

Für afghanische Ortskräfte könnte die Lage in Kabul in den kommenden Tagen über Leben und Tod entscheiden. Sollte er Bundeskanzler werden, will Armin Laschet eine Garantie abgeben, alle zu retten.
CDU-Chef Armin Laschet auf seiner Wahlkampftour

CDU-Chef Armin Laschet auf seiner Wahlkampftour

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Die Taliban sind zurück in Kabul – und viele Menschen in Afghanistan fürchten eine erneute Schreckensherrschaft der Islamisten. Zehntausende drängen zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt, in der Hoffnung, mit Maschinen ausländischer Staaten evakuiert zu werden, darunter auch ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr samt ihren Familien. Nun hat ihnen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet versprochen, alle Helfer in Deutschland aufzunehmen – für den Fall seiner Wahl in gut fünf Wochen.

Es gebe lange Listen afghanischer Ortskräfte und Vertreter der afghanischen Zivilgesellschaft, die derzeit nicht nur in Kabul, sondern auch an anderen Stellen in Afghanistan seien, sagte Laschet bei einem Wahlkampfauftritt in Oldenburg. »Ich werde als Bundeskanzler eine Garantie abgeben, dass jeder, der sich auf diesen Namenslisten befindet, der sich für Deutschland engagiert hat, in Deutschland Aufnahme findet.«

Allerdings hat Nordrhein-Westfalen, wo Laschet Ministerpräsident ist, bereits zugesagt, 800 afghanische Ortskräfte sowie tausend gefährdete Frauen aufzunehmen. Dieses Angebot gelte auch für die Familien der Betroffenen.

»Alle, die auf uns gesetzt haben, herausholen«

Auf die militant-islamistischen Taliban müsse nach der Eroberung der Hauptstadt Kabul Druck ausgeübt werden, diesen Menschen die Ausreise zu ermöglichen, sagte der CDU-Vorsitzende weiter. Deutschland müsse sich auf die Aufnahme vorbereiten. »Wir müssen alle, die auf uns gesetzt haben, herausholen.« Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident verwies auch auf die Bereitschaft seines Landes, 1000 Frauen aus Afghanistan aufzunehmen.

Die radikal-islamischen Taliban hatten Afghanistan nach Abzug der Nato-Truppen im Handstreich zurückerobert. Am Sonntag war der afghanische Präsident Ashraf Ghani außer Landes geflohen, die Taliban marschierten in Kabul ein. Die Miliz erklärte den Krieg für beendet, erließ eine Generalamnestie und stellte die baldige Bildung einer neuen Regierung in Kabul in Aussicht. »Der Krieg ist zu Ende«, und »jeder« sei begnadigt, sagte Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid am Dienstag.

Die neue Taliban-Herrschaft werde sich »positiv« von ihrem früheren Regime unterscheiden. Damals folgte die Gruppe einer extrem rigiden Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Mudschahid kündigte unter anderem an, dass Frauen weiterhin arbeiten gehen dürften, sofern ihre Erwerbstätigkeit im Einklang mit »den Prinzipien des Islam« stehe.

Bei vielen Afghaninnen und Afghanen löste die Machtübernahme dennoch Angst aus, nur wenige glauben den Versprechen nach Mäßigung. Seit Montag versuchen die Menschen in Kabul, den Flughafen zu erreichen, Augenzeugen berichten von Taliban, die Fliehende an Checkpoints zurückdrängten und schlugen. Verzweifelte hatten sich am Montag an abfliegende Flugzeuge geklammert.

mrc/dpa/AFP
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