Nach Abzug deutscher Truppen Afghanen erhalten Aufnahmezusagen, aber kaum Visa

Tausende Afghanen planen die Flucht vor den neuen Taliban-Machthabern. Deutschland will nun Aktivisten und Künstlerinnen aufnehmen. Mehr als 4000 Menschen sollen schon länger einreisen dürfen, bekommen aber kein Visum.
Afghanische Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland

Afghanische Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland

Foto: POOL / REUTERS

Auch nach dem Ende der Luftbrücke nach Kabul sollen weiter Afghanen das Land Richtung Deutschland verlassen können. Das Bundesinnenministerium hat nun für gut 2600 Menschenrechtsaktivisten, Künstler, Wissenschaftler, Journalisten und andere potenziell gefährdete Menschen aus Afghanistan eine Aufenthaltszusage erteilt.

Das bedeutet, dass diese Menschen sowie ihre Lebenspartner und Kinder einen Aufenthaltstitel für Deutschland erhalten, also kein Asyl beantragen müssen. Eine entsprechende Zusage sei am Dienstag für alle Menschen auf der »Menschenrechtsliste« des Auswärtigen Amtes erteilt worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr als 4000 Personen auf der Warteliste

Gleichzeitig müssen wegen der schleppenden Bearbeitung von Asylanträgen mehr als 4000 Afghanen unter der Herrschaft der Taliban leben, obwohl sie grundsätzlich einen Anspruch auf Familienzusammenführung in Deutschland haben. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Frage der Linkenabgeordneten Ulla Jelpke, die der »Neuen Osnabrücker Zeitung« vorliegt. Demnach erteilte Deutschland im ersten Halbjahr lediglich 624 Visa an afghanische Staatsangehörige.

Auf den Wartelisten standen der Zeitung zufolge zuletzt aber 4173 Personen, um einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen. Stellt man beide Zahlen in einen Zusammenhang, ergebe sich rein rechnerisch eine Wartezeit von bis zu dreieinhalb Jahren, bis das letzte Visum an die derzeit Wartenden erteilt sein würde.

Nach der Machtübernahme der Taliban im August waren mit Evakuierungsflügen der Bundeswehr nach Angaben der Bundesregierung 4587 Menschen nach Deutschland gekommen, davon 3849 Afghanen und 403 deutsche Staatsangehörige. Unter den Schutzbedürftigen waren auch ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr und anderer deutscher Institutionen. Nach dem Ende der Luftbrücke Ende August kamen noch einige Hundert Afghanen auf anderem Wege nach Deutschland – etwa über das Golfemirat Katar.

muk/dpa/afp
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