Afghanistan-Beauftragter Mützelburg Arbeitsbeginn im Turbo-Tempo

Kaum ernannt, nimmt der neue deutsche Afghanistan-Beauftragte schon die Arbeit auf. Kommende Woche reist er in die USA und trifft seinen amerikanischen Kollegen Holbrooke. Sehr schnell soll es danach auch in die Krisenregion gehen. Einfach wird die Mission nicht.

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Berlin - Bernd Mützelburg bereitete sich eigentlich schon auf den Ruhestand vor, doch nun beginnt für den 65-jährigen Top-Diplomaten ein echter Reise-Marathon. Kaum von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan ernannt, nimmt der erfahrene Botschafter nun seine Arbeit auf. SPIEGEL ONLINE erfuhr aus dem Auswärtigen Amt (AA), dass Mützelburg schon in der kommenden Woche in die USA reisen will, danach will er rasch in die Krisenregion aufbrechen.

Bernd Mützelburg: "Bin mir der Schwere der Aufgabe bewusst"
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Bernd Mützelburg: "Bin mir der Schwere der Aufgabe bewusst"

Seine erste Reise führt Mützelburg nach Washington. Dort wird er den ebenfalls erst kürzlich vom neuen US-Präsidenten Obama ernannten Sonderbotschafter Richard Holbrooke treffen. Die beiden Diplomaten wollen sich über neue Ansätze für die krisengeschüttelte Region austauschen und ihr Handeln eng miteinander abstimmen. Aus dem Schulterschluss mit den USA kann man auch das neue Klima zwischen Washington und Berlin erkennen: Statt gegeneinander will man gerade in Sachen Afghanistan und Pakistan von nun an einem Strang ziehen.

Nach dem Trip in die USA will Steinmeier seinen neuen Mann direkt in die Krisenregion schicken. Derzeit noch im Irak unterwegs, telefonierte Steinmeier mit seinen Kollegen in Kabul und Islamabad und kündigte einen raschen Besuch des deutschen Sonderbotschafters in den beiden Hauptstädten an. Aus dem AA hieß es, sowohl der afghanische Außenminister Spanta als auch sein Kollege Shah Mahmood Qureshi in Pakistan hätten sich positiv über die Ernennung gezeigt. Der Besuch des Deutschen sei willkommen, hieß es weiter.

Einfach wird die Mission nicht. In den vergangenen Tagen hatte ein Abkommen der pakistanischen Regierung mit den Taliban in einer ihrer Hochburgen in Nordwestpakistan international für Aufregung gesorgt. Faktisch hatte Islamabad sich den Wünschen der Taliban im Swat-Tal gebeugt und den Radikal-Islamistan die Einführung der Scharia mit drakonischen Strafen gewährt. Aus den USA wurde der Deal massiv als Eingeständnis der Schwäche kritisiert.

In Afghanistan sieht die Lage ähnlich aus. Die Sicherheitslage ist schlecht wie nie und die geplanten Wahlen im Herbst 2009 sind derzeit massiv durch die Taliban gefährdet. Zudem wird der Ton zwischen der afghanischen Regierung und der Internationalen Schutztruppe Isaf schärfer. Präsident Hamid Karzai wirft der Nato-Truppe immer wieder vor, bei Angriffen auf Taliban-Verstecke nicht genug auf den Schutz der Zivilbevölkerung zu achten.

Mützelburg selber ist derzeit in Berlin und koordiniert seine neue Aufgabe. Dafür stellt ihm das AA einen kleinen Stab zur Verfügung. "Ich bin mir der Schwere der Aufgabe bewusst", sagte er kürzlich über seinen neuen Job. Die Stabilisierung Afghanistans und der Region sei die größte Herausforderung, die die internationale Staatengemeinschaft zu bewältigen habe. Erfahrung hat der Top-Diplomat reichlich - zunächst war er im Kanzleramt Berater von Kanzler Gerhard Schröder, dann wirkte er im Auswärtigen Amt.

Aus seiner bisherigen Tätigkeit bringt er einen großen Vorteil mit: Mützelburg kennt den US-Gesandten Holbrooke bereits sehr gut. Folglich fiel die Wahl schnell auf ihn, nachdem die USA bei der Sicherheitskonferenz in München Anfang des Monats darum gebeten hatten, einen deutschen Ansprechpartner für ihren neuen Sondergesandten Holbrooke zu benennen.

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