Truppenbesuch Gauck trifft zu Überraschungsbesuch in Afghanistan ein

Aus Sicherheitsgründen war diese Reise nicht angekündigt worden: Bundespräsident Gauck ist zu seinem ersten Besuch in Afghanistan gelandet. Das Staatsoberhaupt will Soldaten, Entwicklungshelfer und Polizeiausbilder treffen.
Gauck in Afghanistan: Begrüßung durch Bundeswehrsoldaten

Gauck in Afghanistan: Begrüßung durch Bundeswehrsoldaten

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Kabul - Bundespräsident Joachim Gauck ist eine Woche vor Weihnachten zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan eingetroffen. Gauck landete am Montag im nordafghanischen Masar-i-Scharif, um sich vor Ort ein Bild der Lage des Einsatzes und der Stimmung bei den deutschen Soldaten zu verschaffen. Die Visite war im Vorfeld aus Sicherheitsgründen streng geheim gehalten worden, noch immer gelten die Besuche von Staatsoberhäuptern am Hindukusch als heikle Missionen. Es herrschen schärfste Sicherheitsvorkehrungen.

"Wir sind nicht am Ziel - und doch spreche ich bewusst von Erfolg", sagte Gauck am Montag im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif. Zugleich äußerte das Staatsoberhaupt den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge "weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus" prägen. Im Land herrschten weiterhin "kriegsähnliche Zustände", sagte Gauck und griff damit den politischen Wechsel in der früher lediglich als Unterstützungseinsatz bezeichneten Isaf-Mission auf. Doch sei das eben nicht die ganze Realität. Vor deutschen und internationalen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern fügte der Bundespräsident hinzu: "Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich - von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selten."

Ausdrücklich rief Gauck dazu auf, die Menschen in Afghanistan auch nach dem Ende 2014 geplanten Truppenabzug nicht allein zu lassen. "Und wer meint, dass wir in Afghanistan nach 2014 nichts mehr gestalten könnten, der ist hyperoptimistisch oder leichtsinnig oder schlicht und einfach unsolidarisch", sagte er. Denn nicht ein "Übermut der Verbündeten" habe Deutschland in den Konflikt eingreifen lasen, sondern die Verantwortung für Sicherheit und Frieden.

Es ist Gaucks erster Besuch als Bundespräsident in Afghanistan, die Visite hat größtenteils symbolischen Charakter. Sein Vorgänger Christian Wulff hatte sowohl die deutschen Truppen in Afghanistan als auch den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai zuletzt im Oktober 2011 besucht.

Derzeit bereitet sich die Bundeswehr in Afghanistan schrittweise auf den Rückzug aus Afghanistan vor. Bis Ende 2014 sollen laut dem Nato-Plan für das Ende der Isaf-Mission alle Kampftruppen der Allianz in ihre Heimatländer zurückkehren. Derzeit sind rund 4500 Soldaten der Bundeswehr am Hindukusch stationiert, bis Ende 2013 soll diese Zahl weiter sinken. Zudem plant die Bundeswehr, weitere Lager in Nordafghanistan zu schließen.

Wie heikel die Sicherheitslage in Afghanistan derzeit ist, bewies am frühen Morgen ein Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kabul. Der Attentäter der Taliban hatte sich in seinem Wagen vor den Toren einer US-Sicherheitsfirma in die Luft gesprengt. Die Detonation war in der ganzen Stadt zu hören. Bei dem Anschlag auf die Firma, die als Dienstleister für die US-Armee aktiv ist, wurden nach bisherigen Angaben mehrere Menschen verletzt.

mgb/ler/Reuters/dapd
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