Kabul Deutscher kommt mit SPD-Parteibuch durch Taliban-Kontrolle

Ein Deutscher mit afghanischen Wurzeln wollte aus Kabul ausreisen. In einer Kontrolle der Taliban gab er sich als Diplomat aus und zeigte ein rotes Parteibuch. Nun droht seine Ausreise an deutscher Bürokratie zu scheitern.
SPD-Parteibuch

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Foto: Carsten Rehder / dpa

Es kommt selten vor, dass ein Parteibuch Leben rettet. Im Fall eines Deutschen mit afghanischen Wurzeln könnte dies allerdings der Fall sein. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan versuchte Asib Malekzada mit seiner Verlobten nach Kabul zu gelangen. Dort wollten sie mit einer Maschine der Bundeswehr ihr ehemaliges Heimatland verlassen.

Malekzadas Verlobte hatte allerdings weder einen deutschen Pass noch ein Visum. In einer von drei Kontrollen der Taliban sorgte das offenbar für Probleme. Die Taliban lassen aktuell nur Ausländer zum Flughafen in Kabul durch. Als die bewaffneten Männer Fragen stellten, zeigte Malekzada sein SPD-Parteibuch. »Ich habe gesagt, ich bin deutscher Diplomat«, erzählte er der »Bild« -Zeitung. Die Taliban hätten das rote Parteibuch für etwas »Offizielles« gehalten und ihn durchgelassen. »Das sind alles Analphabeten, dafür sind sie weltbekannt«, erklärte der 33-Jährige. Sein Parteibuch habe ihm letztlich »das Leben gerettet«.

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Seitdem er zehn Jahre alt ist, lebt Asib Malekzada in Deutschland. Der Projektmanager aus Kassel sagt, er engagiere sich seit dem 16. Lebensjahr ehrenamtlich in der SPD. Auf Anfrage des SPIEGEL bestätigte die SPD die Mitgliedschaft Malekzadas in einem Ortsverband in Hessen. »Sie müssen uns helfen, aus diesem Kalifat rauszukommen«, sagte er.

»Man beharrt auf die deutsche Bürokratie«

Vor zwei Wochen war er nach Afghanistan geflogen, um seine Verlobte abzuholen. Doch dann verweigerten die Behörden ihr die Ausreise. Zwar haben die beiden einen Hochzeitstermin beim Kasseler Standesamt, aber verheiratet sind sie noch nicht. Mit deutschen Evakuierungsflügen dürfen eigentlich aber nur unmittelbare Familienangehörige ausreisen. »Man beharrt auf die deutsche Bürokratie«, sagte Malekzada der »Hessenschau «. Ohne seine Verlobte auszureisen, kam für ihn nicht infrage. Inzwischen konnten die beiden nach Informationen der dpa ausreisen und sind nun in Deutschland angekommen.

mfh
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