Afghanistan-Einsatz Zahl deutscher Soldaten mit Trauma steigt dramatisch

Seelische Verwundungen deutscher Soldaten in Afghanistan nehmen rasant zu: Bereits nach den ersten neun Monaten dieses Jahres sind mehr Bundeswehrsoldaten traumatisiert aus dem Einsatz zurückkommen als im gesamten Jahr 2010. Ihre Entschädigungszahlungen sollen künftig fast verdoppelt werden.
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Entschädigungszahlungen sollen erhöht werden

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Entschädigungszahlungen sollen erhöht werden

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Berlin/Hamburg - Der Afghanistan-Krieg treibt die Zahl psychischer Erkrankungen in der Bundeswehr auf einen neuen Höchststand zu: In den ersten neun Monaten dieses Jahres ließen sich bereits 587 aus dem Einsatz am Hindukusch zurückgekehrte Soldaten wegen posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) behandeln und damit mehr als im gesamten Jahr 2010 (557).

Im Bundestag zeichnet sich eine breite Mehrheit für eine deutliche Verbesserung der Versorgung und Entschädigung verwundeter Soldaten an. Die Fraktionen verständigten sich im Verteidigungsausschuss darauf, noch einen Schritt weiter zu gehen als von der Bundesregierung geplant. "Wir haben hier eine ganz besondere moralische Verpflichtung", sagten die Wehrexperten der Koalition, Ernst-Reinhard Beck (CDU) und Elke Hoff (FDP). Im Verteidigungsausschuss hätten alle Fraktionen - auch die Linke - den geplanten Neuregelungen zugestimmt. Das Gesetz soll am 28. Oktober im Bundestag verabschiedet werden und nach Zustimmung im Bundesrat zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten.

Künftig kein "Irrgarten an Vorschriften" mehr

Im sogenannten Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz geht es sowohl um höhere Entschädigungssummen bei schweren Verwundungen als auch um eine erleichterte Übernahme als Berufssoldat. Damit sollen vor allem verwundete Zeitsoldaten, die aus der Bundeswehr ausscheiden müssten, eine berufliche Perspektive in den Streitkräften erhalten. Vorgesehen ist nun, dass bereits ab 30 Prozent Schädigung und nicht erst ab 50 Prozent eine solche Übernahme möglich ist. Bislang sind wegen der hohen Hürde von 50 Prozent erst sechs Soldaten in eine dauerhafte Beschäftigung übernommen worden, hieß es.

Vor allem für Soldaten, die traumatisiert aus dem Einsatz zurückkommen, sei die neue 30-Prozent-Regelung wichtig, sagte Hoff. Zudem soll die vereinfachte Anerkennung des Verwundungsgrades rückwirkend zum 1. Juli 1992 gelten, also mit dem Beginn der Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Hoff und Beck betonten, dass die Soldaten mit dem neuen Gesetz nicht mehr einen "Irrgarten an Vorschriften" durchlaufen müssten, um ihre seelischen Verwundungen anerkannt zu bekommen. Künftig soll es reichen, dass diese Verwundung - sowohl Posttraumatische Belastungsstörungen PTBS als auch Depressionen und Ähnliches - glaubhaft gemacht werden.

Entschädigungszahlungen sollen deutlich erhöht werden

Dies sei ein "notwendiges und richtiges Signal an die Bundeswehr", da viele Betroffenen "bisher durch das Raster gefallen" seien, betonte Beck. Dem Änderungsantrag der schwarz-gelben Koalition wollen sich laut Beck und Hoff auch SPD und Grüne anschließen.

Mit dem geplanten Gesetz sollen auch die Entschädigungszahlungen für Verwundete und Angehörige gefallener Soldaten fast verdoppelt werden. Ein Soldat mit einem Schädigungsgrad von 50 Prozent soll beispielsweise 150.000 statt bisher 80.000 Euro erhalten, die Witwe und die versorgungsberechtigten Kinder sollen künftig 100.000 statt 60.000 Euro erhalten. Dabei geht es um Verletzungen wie Verlust eines Unterschenkels (Schädigungsgrad von 50 Prozent) oder Verlust einer Hand (55 Prozent).

luk/dpa/dapd
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