Afghanistan Kabinett segnet Einsatz von Awacs-Flugzeugen ab

Die schwarz-gelbe Regierung hat den Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan beschlossen. Bis zu 300 Soldaten sollen zur Luftüberwachung am Hindukusch eingesetzt werden. Damit will Deutschland seine Enthaltung bei der Libyen-Mission der Nato ausgleichen.

Awacs-Aufklärer (bei der Luftbetankung): Flüge über Afghanistan beschlossen
DPA

Awacs-Aufklärer (bei der Luftbetankung): Flüge über Afghanistan beschlossen


Berlin - Die deutsche Luftwaffe soll schon bald eine größere Rolle bei der Überwachung des Luftraums über Afghanistan spielen. Die Bundesregierung hat das neue Bundeswehrmandat zum erweiterten Einsatz am Mittwoch erwartungsgemäß verabschiedet. Bis zu 300 deutsche Soldaten sollen an Bord von Awacs-Überwachungsflugzeugen über Afghanistan eingesetzt werden.

Nun muss der Bundestag der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes noch zustimmen. Die erste Beratung findet bereits am Mittwochnachmittag statt, die Abstimmung ist für Freitag vorgesehen. Die SPD als größte Oppositionspartei hat bereits Zustimmung signalisiert, damit gilt eine Mehrheit als wahrscheinlich.

Mit dem neuen Mandat sollen vor allem die Nato-Partner entlastet werden, die sich an den Militärschlägen gegen Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi beteiligen. Den Einsatz deutscher Soldaten in Libyen schließt die Bundesregierung kategorisch aus. Bei der Entscheidung im Uno-Sicherheitsrat über ein militärisches Eingreifen in Libyen hatte sich Deutschland vergangene Woche enthalten.

Die Obergrenze der deutschen Truppen am Hindukusch soll weiterhin bei 5350 Mann liegen. Derzeit sind etwa 5000 Soldaten im Einsatz, zusätzlich stehen in Deutschland noch einmal 350 Mann als Bereitschaft für Notfälle bereit. Bislang war die Bundeswehr an den Überwachungsmissionen der Awacs-Aufklärungsflugzeuge nicht unmittelbar beteiligt, die Bundesregierung hatte sich dagegen vehement gesträubt.

Einsätze könnten schon bald beginnen

Jetzt aber ist die Kehrtwende vollzogen - und die Nato will die Awacs-Offerte offenbar aufgreifen. Die neue CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte am Dienstag: "Dieses Angebot wird von der Nato wohl angenommen, wie signalisiert wurde".

Rein technisch könnte die Mission sehr schnell beginnen. So sollen die Awacs-Jets laut dem bisherigen Nato-Konzept im türkischen Konya stationiert werden, von dort würden sie in sechseinhalb Stunden über den Irak und dann in einer südlichen Schleife über Oman und Pakistan ins Einsatzgebiet fliegen. Über Afghanistan könnten sie dann acht Stunden den Luftraum überwachen und in Masar-i-Scharif zwischenlanden.

jok/AFP/dpa/Reuters

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