Afghanistan Kabul fordert deutsche Soldaten fürs Kampfgebiet an

Erst die Spezialtruppe KSK, dann Aufklärungsjets, jetzt Armee-Ausbilder: Afghanistan hat Deutschland um die Entsendung deutscher Militärtrainer in den umkämpften Süden gebeten. Verteidigungsminister Jung prüft den heiklen Antrag, der die Deutschen mitten ins Kampfgebiet führen würde.


Berlin - Konkret geht es um 19 Ausbilder der Bundeswehr, die in den letzten Monaten bereits ein afghanisches Infanterie-Batallion im Raum Kunduz im relativ ruhigen Norden des krisengeschüttelten Landes trainiert haben. Nun sollen die rund 500 afghanischen Soldaten in die Region Kandahar verlegt werden. Genau bei dieser gefährlichen Mission sollen die deutschen Ausbilder ihre Schützlinge begleiten und weiter beraten - so jedenfalls der Wunsch der afghanischen Regierung.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass ein entsprechender Antrag aus Kabul seit einigen Tagen im Ministerium geprüft werde. Über die eilige Anfrage hatte zuerst das ZDF berichtet und sich auf Bundeswehrkreise berufen.

Bundeswehr in Afghanistan: Neue Aufgabe im umkämpften Süden?
DDP

Bundeswehr in Afghanistan: Neue Aufgabe im umkämpften Süden?

Die Bitte aus Kabul ist für Berlin mehr als heikel. Bisher hatte die deutsche Regierung stets betont, keine Kampftruppen in den umkämpften Süden schicken zu wollen, wo afghanische und internationale Truppenverbände sich jeden Tag heftige und verlustreiche Kämpfe mit den wiedererstarkten Taliban liefern. Bislang waren nur Bundeswehr-Soldaten der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) in Kampfgebieten in Südafghanistan im Einsatz. Deutsche Tornado-Jets, die im Norden des Landes stationiert sind, fliegen seit einigen Wochen Aufklärungsflüge über der Region.

Im Ministerium hieß es am Freitag, die mögliche Mission berge die Möglichkeit, dass deutsche Soldaten die Truppen auch bei Kampfeinsätzen begleiten würden. Bei einer Verlegung in den Süden sei man "im Einsatz, nicht mehr im Training". Für welche Operationen das afghanische Batallion eingesetzt werden soll, war zunächst nicht zu erfahren.

Über die Prüfung oder einen möglichen Zeitplan wollte sich im Ministerium bisher niemand äußern. Allerdings werde die Entscheidung sicherlich nicht in den nächsten Tagen fallen. Die afghanischen Truppen sollen zeitnah in den Süden verlegt werden. Minister Jung befindet sich zurzeit auf einer Besuchsreise im Kosovo und hat sich öffentlich noch nicht zu der Anfrage aus Kabul geäußert.

mgb/als/AFP



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