Afghanistan-Krieg Regierung hält Nato mit Awacs-Entscheidung hin

Bloß keine Afghanistan-Debatte in der Sommerpause: Die Bundesregierung hat sich nach SPIEGEL-Informationen geeinigt, gegenüber der Nato auf Zeit zu spielen. Die Isaf-Schutztruppe hatte Awacs-Flugzeuge des Militärbündnisses angefordert - Deutschland stellt ein Drittel von deren Besatzung.


Hamburg - Der geplante Afghanistan-Einsatz von Awacs-Flugzeugen der Nato wird zum politischen Zündstoff in Berlin. Auf Betreiben der Isaf-Stabilisierungstruppe hat der Nato-Oberbefehlshaber für Europa und Afghanistan, US-General John Craddock, Maschinen bei der Nato-Zentrale in Brüssel angefordert.

Awacs-Aufklärer über Geilenkirchen: Politischer Zündstoff für Deutschland
DPA

Awacs-Aufklärer über Geilenkirchen: Politischer Zündstoff für Deutschland

Die in Geilenkirchen bei Aachen stationierten Awacs sollen mit ihrem weitreichenden Radar den zunehmenden Flugverkehr am Hindukusch koordinieren helfen, würden aber auch als Kommandozentralen für Kampfjets dienen, die für Isaf und die Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" (OEF) unterwegs sind. Die Besatzungen bestehen zu gut einem Drittel aus deutschen Soldaten.

Weil Oppositionspolitiker und selbst Wehrexperten der Koalitionsfraktionen Skepsis bekundet haben, verabredeten Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vergangene Woche telefonisch, die Allianz erst einmal hinzuhalten. Um daheim einen Streit in der Sommerpause zu vermeiden, wollen sie die Nato vorerst mit Fragen nach technischen Details des Einsatzes beschäftigen.

Die politische Entscheidung soll erst im September fallen. Heikel dabei ist die zwangsläufige Vermengung der Isaf-Mission und des Anti-Terror-Einsatzes OEF, die besonders in der SPD und bei den Grünen auf Vorbehalte stößt. Die Regierung will das Isaf-Mandat, das im Herbst zur Verlängerung ansteht und von 3500 auf 4500 Soldaten aufgestockt werden soll, indes so anpassen, dass es den Awacs-Einsatz auch für OEF zulässt.

Die Isaf-Truppe, von der Uno eingesetzt als Aufbauhelfer und Beschützer, hat sich jedoch längst zur robusten Kampfmacht entwickelt. Sie ist - wie die Einheiten von OEF - gegen Aufständische aktiv und bekämpft Taliban-Führer auch gezielt mit Operationen, bei denen es um das Ausschalten des Gegners geht - tot oder lebendig. Daran nehmen auch deutsche Soldaten teil. Ihr Auftrag aus Berlin lautet jedoch, die Verdächtigen tunlichst lebend zu schnappen.



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