Evakuierungseinsatz mitten in Kabul Die riskante Helikoptermission des KSK

Mit zwei wendigen Helikoptern sollen KSK-Elitesoldaten der Bundeswehr gefährdete Personen aus Kabul retten. Geübt haben die Kommandokrieger solche Missionen schon oft – trotzdem wird es ein gewagter Einsatz.
Die KSK-Helikopter sind extrem wendig und robust bewaffnet

Die KSK-Helikopter sind extrem wendig und robust bewaffnet

Foto: Björn Trotzki / imago images/Björn Trotzki

Auf den Eliteverband »Kommando Spezialkräfte« (KSK) kommt eine neue und keineswegs ungefährliche Afghanistan-Mission zu. Seit Montag waren die für Geiselbefreiungen jahrelang trainierten Kämpfer aus Calw lediglich am Kabuler Flughafen eingesetzt. Dort sichern sie in voller Montur die abfliegenden A400M der Bundeswehr und organisieren, dass die riesigen grauen Flieger so voll wie möglich mit Passagieren sind, die aus dem von den Taliban kontrollierten Kabul weg wollen.

DER SPIEGEL

Von Samstag an aber sollen die KSK-Einheiten auch außerhalb des von den Amerikanern gesicherten Flughafens von Kabul operieren. Schon am Freitagabend fliegen deshalb zwei A400M von Deutschland aus zwei hochmoderne Helikopter, im Bundeswehr-Deutsch Leichte Unterstützungshubschrauber (LUH) genannt, nach Kabul. Die Maschinen vom Typ H-145M, von den KSK-Kämpfern liebevoll »Sparrow« (Spatz) genannt, werden dann schnellstens einsatzbereit gemacht. Wenn alles gut geht, könnten sie schon am nächsten Morgen fliegen.

Einsatz über feindlichem Gebiet

Was die Bundeswehr vorhat, ist fast ein bisschen verwegen. Mehrmals pro Tag sollen die beiden robust bewaffneten H-145M vom militärischen Teil des Flughafens aufsteigen und gefährdete Personen, die es nicht allein an den Airport schaffen, aus der von den Taliban besetzten Stadt holen. An Bord werden neben den Piloten immer auch zwei schwer bewaffnete KSK-Soldaten sitzen. Die Bundeswehr rechnet damit, dass ein Helikopter noch mindestens sechs weitere Passagiere mitnehmen kann, vielleicht sogar mehr.

Im Ministerium hatte man die neue Mission im Eiltempo geplant, nachdem der Kommandeur der US-Kräfte in Kabul um Unterstützung gebeten hatte. Die USA holen immer wieder noch in Kabul eingeschlossene Staatsbürger mit großen Helikoptern aus der Stadt. Der Vorteil der kleinen deutschen KSK-Helikopter: Sie können im Gegensatz zu den riesigen »Chinooks« der USA auch auf Dächern oder einer Straßenkreuzung landen und wirbeln auch nicht gleich einen riesigen Staubsturm auf.

Trotzdem ist die Mission alles andere als ungefährlich. »Das wird kein normales Taxi-Shuttle«, sagt Eberhard Zorn, der Generalinspekteur der Bundeswehr. So sei die Rettung aus der Luft immer nur möglich, wenn US-Kampfhelikopter den Luftraum absichern. Zudem wird jeweils nur ein Helikopter landen, der andere sichert von oben. Zorn sagt, derzeit verfügten die Taliban über keine Luftabwehr. Zudem gehe man davon aus, dass die Islamisten die Helikopter »gewähren lassen«.

Die Bundeswehr betonte, dass die KSK-Helis nur über Kabul eingesetzt werden sollen. Flüge ins Umland oder gar zur Rettung von Ortskräften der Bundeswehr aus dem Norden, wo die Truppe früher stationiert war, seien unmöglich. Zudem muss jeder Flug gut vorbereitet, ein Sammelplatz und Zeichen vereinbart werden, mit denen sich die zu rettenden Personen klar identifizieren können. Damit sich keine Menschenansammlung bildet, muss die Zeit am Boden so kurz wie möglich sein.

Das Kommando wollte auch Menschen auf dem Landweg retten

Das KSK hat mit den Helikoptern reichlich Erfahrung. Hunderte Mal haben die Elitekrieger mit den Fliegern in Deutschland Missionen zur Befreiung von Geiseln hinter den feindlichen Linien geübt. Vergangenes Jahr flogen die Kämpfer mit den Helis auch in die Wüste in Niger und nahmen an einer Übung mit den lokalen Spezialkräften teil. Die LUH-Flieger gelten seitdem als extrem zuverlässig, sie waren erst vor einigen Jahren extra für das KSK angeschafft worden.

Wie viele Personen die Bundeswehr mit den Helikoptern in den nächsten Tagen retten kann, ist noch unklar. In Sicherheitskreisen heißt es, vordringlich sollten erst mal besonders gefährdete Personen geholt werden, die wegen der Taliban-Checkpoints nicht zum Flughafen gelangen können. Um die Personen, die sich oft seit Tagen verstecken, nicht zu gefährden, baten beteiligte Soldaten dringlich darum, keine Details oder Spekulationen über die zu Rettenden zu veröffentlichen.

Für das KSK, das in den letzten Monaten von Skandalen geschüttelt war, ist die Mission eine seltene Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren. Als das Kommando Anfang der Woche nach Afghanistan abflog, bot die Einheit noch vor Abflug auch an, einzelne Personen auf dem Landweg zum Flughafen zu bringen. Eine solche Operation, mitten hinein ins Herrschaftsgebiet der Taliban, war der Militärspitze dann aber doch zu gefährlich.

Aus der Einheit selbst heißt es, das Angebot stehe noch immer, genau für solche Operationen habe die Bundeswehr ja das KSK.

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