Afghanistan-Mission Tornado-Aufklärer zurück in Deutschland

Nach 4500 Flügen über dem Hindukusch sind die Bundeswehr-Tornados zurück in Deutschland. Verteidigungsminister Guttenberg lobte die Aufklärungs-Mission. Dass die Jets bald als Kampfflieger nach Afghanistan zurückkehren könnten, schloss er ganz bewusst nicht aus.

Verteidigungsminister Guttenberg: Entscheidung zum Rückzug "nicht leicht gemacht"
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Verteidigungsminister Guttenberg: Entscheidung zum Rückzug "nicht leicht gemacht"

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Jagel - Für die Tornado-Piloten kam die Rückkehr in die Heimat in Schleswig-Holstein reichlich frostig daher. Nach mehreren Stunden Flug von der letzten Etappe ihrer Rückreise aus dem fernen Afghanistan erwarteten die Männer in ihrer Heimatbasis Jagel winterliche Temperaturen und sogar ein wenig Schnee rechts und links der Landebahn. Verschwitzt aber lächelnd stiegen sie schließlich am Morgen gegen 10 Uhr aus ihren Maschinen und bibberten in der Kälte

Am Rollfeld in Jagel wartete Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf seine Männer. Dick eingepackt begrüßte der Minister gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen die Piloten der Tornado-Jets, die in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit einer hochauflösenden Kamera am Flugzeugbauch über Afghanistan zur Überwachung eingesetzt waren. Die Aufklärungs-Mission der Jets, so Guttenberg, sei ein voller Erfolg gewesen.

Die Tornados waren über Afghanistan Tag und Nacht im Einsatz. Bis zum 22. November flogen sie 4500 Einsätze über dem ganzen Land, schossen 14.000 präzise Bilder von Dörfern, Städten, Straßen oder Flussverläufen aber auch von militärischen Zielen wie Taliban-Stellungen. Bomben hatten die fliegenden Augen nie an Rumpf oder Flügeln. Das Bundestagsmandat für die Jets schloss eine Teilnahme an bewaffneten Einsätzen der Nato-Schutztruppe ausdrücklich aus.

Richtig glücklich wirkte Guttenberg nicht bei der Rückkehr der Jets. Er habe sich die Entscheidung zum Rückzug "nicht leicht gemacht", sagte er. Konkret hatte US-General David Petraeus, der Oberkommandierende der Isaf-Truppe, vorgeschlagen, die Tornados zurück zu holen. Die so freiwerdenden Bundeswehr-Soldaten sollten gemäß seiner neuen Strategie lieber in der Ausbildung der afghanischen Armee aktiv werden. Guttenberg folgte diesem Wunsch des US-Generals.

Gleichwohl erschien der Abzug der Tornados bei der Rückkehr in Jagel mehr oder minder temporär. Guttenberg betonte mehrmals, dass die Jets der Nato-Schutztruppe Isaf und Petraeus jederzeit bei einer Änderung der Lage am Hindukusch wieder zur Verfügung stünden. Eine Rückkehr schloss er damit bewusst nicht aus. Dazu, das betonte Guttenberg immer wieder, sei jedoch die Zustimmung des Bundestags, also ein neues Mandat durch das Parlament, erforderlich.

Die Wortwahl spiegelt Guttenbergs Spagat zwischen den militärischen Notwendigkeiten in Afghanistan und der politischen Debatte in Berlin über den deutschen Kriegseinsatz wieder. Guttenberg weiß aus Besuchen in Kabul und von der Luftwaffe, dass die Nato die deutschen Jets zu gern in die Isaf-Kampfjetflotte einreihen würden. Diese unterstützen die Bodentruppen beim Anti-Taliban-Kampf und kommen immer häufiger auch der Bundeswehr bei Gefechten zur Hilfe.

Neues Mandat vorerst nicht in Sicht

Folglich hätte Guttenberg selber sicher nichts gegen einen neuen Einsatz der Tornados als Kampfjets - auch mit der Erlaubnis, an Isaf-Luftangriffen teilzunehmen. Gleichwohl kennt der Verteidigungsminister die politischen Realitäten in Berlin. Ein neues Mandat, dazu noch mit der Aussicht auf neue deutsche Kampfmissionen mit dem ständigen Risiko von Fehlschlägen oder zivilen Opfern, wäre hierzulande mit dem Koalitionspartner FDP aber auch der Opposition ein waghalsiges Manöver.

Die Angst vor einer neuen Grundsatzdebatte um den Afghanistan-Einsatz prägt derzeit das Regierungshandeln. Schon vor einer Anfrage der Nato würgte Berlin deswegen kürzlich in Kabul und Brüssel eine mögliche deutsche Beteiligung von rund 100 Soldaten an einem neuen Anlauf für die Entsendung von AWACS-Aufklärungsflugzeugen ab. Offiziell argumentierte Berlin, man wolle die Fokussierung auf die Ausbildung aufrechterhalten. Der wahre Grund war politisches Kalkül.

Zwei Strömungen innerhalb der Koalition

Immer deutlicher treten innerhalb der Koalition nunmehr zwei entgegenlaufende Strömungen zwischen Guttenberg und Guido Westerwelle (FDP) hervor. Während der Außenminister dauernd die Abzugschancen ab dem Jahr 2012 betont, spricht Guttenberg von der Notwendigkeit, den deutschen Einsatz lageabhängig zu planen. Nur zu gut wissen seine Militärs, dass die Ziele und Zeitpläne der Nato am Ende möglicherweise nachjustiert werden müssen. Versprechen will er da lieber nichts.

Im Angesicht der politischen Lage wird das Wehrressort wohl kaum ein neues Mandat für die Tornados als zukünftige Taliban-Jäger aus der Luft vorschlagen. In Jagel bereiten sich die zurückgekehrten Piloten trotzdem für den Ernstfall vor. In den nächsten Monaten werden sie verstärkt Luft-Boden-Einsätze und die in der Nato standardisierte Kommunikation mit den Truppen am Boden einstudieren. Damit wären sie schon im Frühjahr bereit für eine mögliche Rückkehr ins Kampfgebiet.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
trillermax 30.11.2010
1. Wer bezahlt?
Wow! Nur 4500 "Einsätze" und dann unvorstellbare 14000 Fotos! 3,5 hochauflösende Fotos pro Flug. Was für eine Facharbeit. Oder eher eine grandiose Verar...ung. Nahe am Iran usw... Da war das Ostsandmännchen besser.
Osis, 30.11.2010
2. Sch**** Titelzwang
Eine Flugstunde kostet doch rund 43.000€ ... Wahnsinn. Da fragt man sich echt, warum wir da das geld dermaßen rausschaufeln.Zumal es Drohnen allemal besser können. Aber wir müssen da ja mit im Sand spielen. Nicht nur das der Einsatz ölkerrechtlich fragwürdig ist. Finanziell ist es ein Desaster. Aber wir sparen ja lieber an der Jugendarbeit und in der Bildung. Da wird man wütend...
Scanner 30.11.2010
3. ...
Zitat von trillermaxWow! Nur 4500 "Einsätze" und dann unvorstellbare 14000 Fotos! 3,5 hochauflösende Fotos pro Flug. Was für eine Facharbeit. Oder eher eine grandiose Verar...ung. Nahe am Iran usw... Da war das Ostsandmännchen besser.
Und früher hätte der SPIEGEL genau an dieser Stelle nachgehakt. Investigative Recherche ist aber seit einiger Zeit schon nicht mehr die Stärke des SPIEGEL (und daher kaufe ich auch keine Printausgabe mehr, Agenturmeldungen bekomme ich im Netz gratis)
Steff-for 30.11.2010
4. Starfotografen im Überschallbereich
Angenommen, ein Flug hätte nur 1 Stunde gedauert, dann würde ein Foto auf ca 13800 Euro kommen. Na, das sollte es dem deutschen Steuerzahler schon mal Wert sein, dass er über Jahre hinweg härter heranklotzen muss, dass bei der Jugend gespart wird, dass in der Bildung gespart wird. Soviel Patriotismus muss schon mal drin sein für n paar geile Fotos und der Darstellung der Merkelschen Macht.
nonya 30.11.2010
5. Frage Mich
Warum jeder einzele Spiegel Afghanistan Artikel den Verweis auf das "Hindukusch" Gebirge beinhaltet? Als muesste man mit jeden Deutschland/Oesterreich Beitrag mit dem "Land der Alpen" schmuecken. Der Hindukusch bedeckt nicht ganz Afghanistan und zieht sich in angrenzede Laender.
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