Luftbrücke aus Kabul Rettungsflüge der Bundeswehr enden womöglich schon am Freitag

Die USA wollen ihre Truppen Ende August aus Afghanistan abziehen. Bevor sie endgültig einpacken, müssen andere Nationen den Flughafen in Kabul verlassen haben. Bereits Freitag könnte der letzte deutsche Rettungsflieger starten.
Airbus A400M der Bundeswehr: Im Laufe des Mittwochs sollen fünf Rettungsflieger der Bundeswehr Kabul verlassen

Airbus A400M der Bundeswehr: Im Laufe des Mittwochs sollen fünf Rettungsflieger der Bundeswehr Kabul verlassen

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Marc Tessensohn / dpa

Noch immer warten Tausende Menschen in Afghanistan darauf, außer Landes gebracht zu werden. Die USA halten dennoch am geplanten Truppenabzug am 31. August fest. Das hat auch Folgen für die Rettungsmissionen anderer Staaten. SPIEGEL-Informationen zufolge könnte der letzte Rettungsflieger der Bundeswehr bereits am Freitag starten. Dann sollen demnach auch Fallschirmjäger und das Kommando Spezialkräfte (KSK) das Land verlassen.

Die USA haben derzeit mehr als 6000 Soldaten am Flughafen von Kabul stationiert. Damit stellen sie den Großteil der Truppen, um den Airport zu sichern. Sind die US-Truppen weg, können die Rahmenbedingungen am Flughafen nicht mehr gesichert werden.

Die Bundeswehr muss daher abziehen, bevor die US-Truppen endgültig eingepackt haben. SPIEGEL-Informationen zufolge sollen spätestens 48 Stunden vor dem Abzug der US-Truppen keine anderen Nationen mehr am Flughafen Kabul sein.

Noch rund 300 deutsche Staatsbürger in Kabul

Derzeit befinden sich noch rund 300 deutsche Staatsbürger in Kabul, die meisten von ihnen sind Doppelstaatler. Wie der SPIEGEL erfuhr, hat die Bundeswehr in der Nacht mehrere deutsche Staatsbürger aus Kabul rausgeholt. Dabei nutzte sie auch einen US-Helikopter, den Deutschland an einem vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt hat.

Demnach waren auch KSK-Elitesoldaten außerhalb des Flughafens aktiv. Das KSK hat in drei weiteren Operationen Deutsche aus dem Umfeld des Flughafens in den geschützten Bereich geholt. Bei den Operationen am Boden nahm das KSK jeweils etwa zehn Personen mit. In dem US-Helikopter waren mehr als ein Dutzend deutsche Staatsbürger.

Fünf Flüge für Mittwoch geplant

Wegen der hohen Zahl an deutschen Staatsbürgern, die sich noch in Kabul befinden, besteht derzeit noch Priorität für diese Gruppe. Deutschland ist nach dem Konsulargesetz dazu verpflichtet, ihnen Schutz zu bieten. Danach sollen besonders gefährdete Ortskräfte der Bundeswehr und andere wie beispielsweise Menschenrechtsaktivisten an die Reihe kommen.

Die Bundeswehr versucht, in den verbleibenden Tagen so viele Menschen wie möglich auszufliegen. Im Laufe des Mittwochs sind fünf A400M Flüge geplant. Wenn diese voll besetzt sind, so erfuhr der SPIEGEL, könnten etwa tausend Passagiere aus Kabul nach Taschkent gebracht werden.

Die Situation am Flughafen ist allerdings nach wie vor unübersichtlich. Ein Problem ist die Lage an den Gates, die immer wieder wegen zu starken Andrangs geschlossen werden. Zudem hat die Bundeswehr Informationen darüber, dass Taliban an den Checkpoints zum Gate nur Personen mit ausländischen Pässen durchlassen.

mgb/asc
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