Afghanistan Union drängt auf Verlängerung aller drei Bundeswehr-Mandate

Warnung vor einem Einknicken: Nach dem tödlichen Anschlag auf drei deutsche Polizisten in Afghanistan drängt die Union auf die Verlängerung der drei Bundeswehr-Mandate. Die Regierung erwägt sogar eine Aufstockung der Streitkräfte am Hindukusch.


Berlin - Jetzt erst recht - so argumentieren führende Unionspolitiker nach dem jüngsten tödlichen Anschlag in Afghanistan: Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung, die Terroristen "dürfen mit ihren perfiden Anschlägen keinen Erfolg haben". Die drei Mandate seien nötig, um in Afghanistan auch künftig "selbsttragende Sicherheit" herstellen zu können.

Deutsche Polizisten in Afghanistan: Engagement könnte ausgeweitet werden
REUTERS

Deutsche Polizisten in Afghanistan: Engagement könnte ausgeweitet werden

In Afghanistan sind derzeit rund 3000 Bundeswehrsoldaten stationiert - der größte Teil im Rahmen der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Unter dem Dach des Mandats für den Antiterroreinsatz "Operation Enduring Freedom", das auch Marineeinheiten am Horn von Afrika umfasst, können bis zu 100 Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan eingesetzt werden. Außerdem setzt die Bundeswehr im Rahmen eines dritten Mandats "Tornado"-Aufklärungsflugzeuge in dem Land ein.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) mahnte in der gleichen Zeitung: "Wir dürfen und werden nicht vor dem Terror kapitulieren." Wer kapituliere, liefere sich aus. "Deshalb müssen wir Terrorismus, der auch uns bedroht, weiter dort bekämpfen, wo er entsteht", sagte Kauder.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU) griff die Kritiker des Einsatzes an. "Wer jetzt - wie die Linkspartei - den Afghanistaneinsatz anzweifelt, gibt den Taliban das Gefühl, Anschläge führen langfristig zum Truppenrückzug", sagte er.

Einem Zeitungsbericht zufolge verlangen die USA von Deutschland erneut mehr Einsatz für die Ausbildung des afghanischen Militärs. Die "Rheinische Post" berichtet, die Amerikaner wollten der deutschen Skepsis aber dadurch entgegen kommen, dass das Training in der Nähe der Hauptstadt Kabul stattfinden solle, nicht im gefährlicheren Süden Afghanistans.

Bundesregierung erwägt Truppenaufstockung

Unterdessen erwägt die Bundesregierung sogar eine Aufstockung des Streitkräfte-Kontingents am Hindukusch. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte der "Berliner Zeitung", es gebe in der Regierung entsprechende Überlegungen. Allerdings müsse zunächst geklärt werden, ob innerhalb der derzeitigen Obergrenzen die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte verstärkt werden kann.

Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass künftig deutsche Soldaten afghanisches Militär nicht nur im Norden, sondern auch im Süden des Landes ausbilden, erklärte der SPD-Politiker. Die Diskussion sei aber noch nicht abgeschlossen. "Klar ist aber, dass unsere Arbeit im Norden nicht in Frage gestellt werden darf, weil zusätzliche Aufgaben auf uns zukommen", sagte Erler.

Er bekräftigte, dass die Bundesregierung nach dem jüngsten Attentat an dem Einsatz festhalte. "Es gibt auch nach der Tragödie vom Mittwoch einen breiten Konsens in der deutschen Politik, sich durch solche Anschläge nicht aus der Bahn werfen zu lassen", sagte er. "Wir brauchen jetzt ein Zeichen der Entschlossenheit, um den Taliban nicht das Feld zu überlassen."

Erler räumte ein, dass es bislang nicht gelungen sei, die deutsche Bevölkerung von der Bedeutung des Afghanistaneinsatzes zu überzeugen. "Wir müssen mehr dafür tun, den direkten Zusammenhang zwischen der Sicherheit in Deutschland und dem Erfolg des Einsatzes in Afghanistan darzustellen", mahnte er.

Freigelassene Südkoreanerinnern wieder zuhause

Vier Tage nach ihrer Freilassung aus mehr als dreiwöchiger Geiselhaft in Afghanistan sind derweil zwei Südkoreanerinnen in ihre Heimat zurückgekehrt. Nach Vermittlung durch das Internationale Rote Kreuz waren die beiden Frauen am Montag freigekommen. In der Gewalt der radikalislamischen Taliban befinden sich noch 19 verschleppte Südkoreaner. Im Fall des entführten deutschen Bauingenieurs ist die Hoffnung auf eine Freilassung der Geisel wieder gewachsen. Es gebe wieder Kontakt zu dem 62-Jährigen, hieß es.

Bei einer Schießerei zwischen Nato-Soldaten und Taliban-Kämpfern wurden in Ostafghanistan fünf Dorfbewohner erschossen. Drei weitere Zivilpersonen seien verletzt worden, teilte die Nato heute in Kabul mit.

Die Truppen seien im Anschluss an die Explosion einer Straßenbombe mit Schusswaffen und Mörsergranaten attackiert worden. Danach hätten sich beide Seiten ein Feuergefecht geliefert, in dem auch zwei Taliban-Kämpfer verletzt worden seien. Den genauen Ort der Kämpfe nannte die Militärführung nicht. Zum Tod der Dorfbewohner hieß es in einer Erklärung: "Solche Zwischenfälle sind bedauerlich, und unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freunden der Getöteten und Verletzten."

flo/ddp/dpa/AP

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.