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15. Mai 2011, 08:29 Uhr

Afrika-Hilfe

Deutschland bricht Geld-Versprechen

Deutschland hat nach SPIEGEL-Informationen bisher nur die Hälfte von 6,7 Milliarden Dollar Hilfe, die im Jahr 2005 zugesagt wurden, für die armen Länder des südlichen Afrikas überwiesen. Mit dem Fehlbetrag trägt Deutschland wesentlich dazu bei, dass die G-7-Staaten ihr Versprechen nicht einhalten.

Deutschland ist wesentlich dafür verantwortlich, dass die G-7- Staaten ihre finanziellen Zusagen an Afrika nicht eingehalten haben. Das geht aus einem Bericht der - von den Rockstars Bono und Bob Geldof gegründeten - entwicklungspolitischen Organisation One hervor, der diese Woche veröffentlicht werden soll.

2005 hatten die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten im schottischen Gleneagles ein Hilfspaket für Afrika beschlossen. Demnach sollte die Entwicklungshilfe für die besonders armen Länder südlich der Sahara von 17,5 Milliarden Dollar im Jahr 2004 schrittweise erhöht werden auf 35,7 Milliarden Dollar im Jahr 2010. Deutschlands Anteil daran beträgt rund 6,7 Milliarden Dollar. Tatsächlich zahlte Berlin aber nur die Hälfte.

Ein ähnlich hoher Fehlbetrag entfällt auf Italien, während Kanada und die USA sogar über ihre Zusagen hinausgegangen sind.

Die Bundesregierung müsse insgesamt die Entwicklungsausgaben deutlich schneller erhöhen als bisher, so One-Deutschland-Direktor Tobias Kahler, sonst werde die Bundesrepublik "erst 2022 das für 2015 international vereinbarte Ziel erreichen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungspolitik aufzuwenden".

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte schon unmittelbar nach der Entscheidung von Gleneagles darauf verwiesen, dass man "vernünftige Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb des Budgets" benötige.

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