Aggressiver Kanzler Schröder tituliert Merkel und Kohl als Penner

Er kam, sah und polterte: Beim niedersächsischen SPD-Wahlparteitag ging Kanzler Schröder seine Herausfordererin Angela Merkel hart an. Es sei grotesk, die Penner von gestern den Aufbruch von morgen gestalten zu lassen, sagte er. Die Delegierten waren begeistert und wählten ihn mit nur einer Gegenstimme auf Platz 1 der Landesliste.


Schröder: "Voller Tatendrang"
AP

Schröder: "Voller Tatendrang"

Hannover - Das Ergebnis für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist überwältigend. Ein Parteitag in Hannover nominierte ihn mit 191 Ja- und nur einer Nein-Stimme auf Platz eins der Landesliste. In seiner halbstündigen Kandidatenrede rief der Bundeskanzler die SPD zum Kampf auf, um Deutschland gemeinsam "als Macht des Friedens und der ökonomischen und ökologischen Verantwortung" weiterzuentwickeln.

Scharf griff Schröder die Union an. Diese habe eine rückwärts gewandte Politik im Sinn. "Das, was die anderen sagen und wollen, ist eine Rolle zurück in die neunziger Jahre", warnte der Kanzler. Als Skandinavien in den neunziger Jahren die Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft, auf Globalisierung und Alterung der Gesellschaft, formuliert habe, hätten in Deutschland die Regierung Helmut Kohl und in ihr Angela Merkel "gepennt". Schröder fügte hinzu: "Es heißt eine Groteske zu veranstalten, wenn man die Penner von gestern den Aufbruch von morgen gestalten lässt".

Daher gehe er "voller Tatendrang in die Wahlauseinandersetzung", sagte Schröder. Die rot-grüne Bundesregierung habe in den vergangenen sieben Jahren das Land vorangebracht. Nun wolle sie Deutschland weiter als Macht profilieren, die sich um sozialen Ausgleich und um die europäische Integration kümmere. Sie wolle weiter dafür sorgen, dass Deutschland "ökonomisch effizient aber gleichwohl mit sozialer Sensibilität geführt wird".

Den WASG-Politiker Oskar Lafontaine griff Schröder mit den Worten an, bei einem, der aus der Verantwortung geflohen sei, habe er sich viel vorstellen können. "Dass er Anleihen im rechten Sumpf macht, das habe ich mir nicht vorstellen können." Die niedersächsischen SPD-Delegierten quittierten Schröders Rede stehend mit knapp zweiminütigem Beifall.

Bulmahn und Struck auf Platz zwei und drei

Gabriel: Schlechtestes Ergebnis von 61 Kandidaten
DDP

Gabriel: Schlechtestes Ergebnis von 61 Kandidaten

Auf die Plätze zwei bis fünf der Bundestagsliste nominierte der Parteitag Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, Verteidigungsminister Peter Struck, die Bundestagabgeordnete Karin Evers-Meyer und den ehemaligen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel. Gabriel erhielt mit 163 Ja- und 24 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen das schlechteste Ergebnis von allen 61-Kandidaten auf der SPD-Landesliste. Bei der Listenaufstellung erhielten 57 Bewerber mehr als 180 Ja-Stimmen, die restlichen drei mehr als 170.

Zum Abschluss der Vertreterversammlung rief auch der SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Jüttner die Delegierten zum Kämpfen auf. "Gerhard Schröder hat uns begeistert", sagte Jüttner, der seit vergangener Woche auch Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Hannover ist. "Wir müssen jetzt die Niedersachsen begeistern. Macht euch auf den Weg", rief der SPD-Landeschef aus.

Müntefering Nummer 1 in NRW

Die nordrhein-westfälische SPD zieht mit dem Bundesvorsitzenden Franz Müntefering als Spitzenkandidat in die möglicherweise im Herbst stattfindende Bundestagswahl. Müntefering wurde auf einem Parteitag in Bochum mit 94,2 Prozent der Stimmen auf Platz eins der Landesliste gewählt. Für ihn stimmten 402 Delegierte, 19 votierten mit Nein, 6 enthielten sich der Stimme. Der 65-Jährige war bereits bei den vergangenen beiden Bundestagswahlen SPD-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.