Al-Jazeera-Mann in deutschem Knast Journalistenverband warnt vor Auslieferung nach Ägypten

Der bekannteste Journalist des arabischen Senders Al Jazeera ist in Berlin festgenommen worden, ihm droht die Auslieferung nach Ägypten. Dort müsse Ahmed Mansour mit der Todesstrafe rechnen, mahnt der Deutsche Journalisten-Verband.
Al-Jazeera-Journalist Mansour: Haftprüfungstermin offenbar am Montag

Al-Jazeera-Journalist Mansour: Haftprüfungstermin offenbar am Montag

Foto: Uncredited/ AP/dpa

Ein Strafgericht in Kairo verurteilte Ahmed Mansour 2014 in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft, weil er im Frühjahr 2011 an der Folter eines Anwalts in Kairo beteiligt gewesen sein soll. Am Samstag wurde der arabische Journalist in Berlin festgenommen - und die Forderung der Auslieferung an Ägypten steht im Raum. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnt eindringlich davor. Die politisch kontrollierten Justiz in Ägypten verhänge unzählige Todesstrafen, eine Auslieferung sei ausgeschlossen.

Zum einen sei es fraglich, ob das Verfahren gegen Mansour in Ägypten nach fairen rechtsstaatlichen Regeln zustande gekommen sei, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken dem "Kölner Stadt-Anzeiger" . Zum anderen müsse Mansour in seiner Heimat die Todesstrafe befürchten. "Schon allein deswegen darf Deutschland den angesehenen Journalisten nicht ausliefern."

Mansour wollte am Samstag vom Flughafen Berlin-Tegel nach Doha in Katar fliegen. Laut Bundespolizei lag ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vor. Er wurde in die Justizvollzugsanstalt Moabit gebracht.

Seinen Anwälten zufolge wird es an diesem Montag einen Haftprüfungstermin geben. Dann wollen die Behörden über das weitere Vorgehen entscheiden. Der TV-Journalist selbst bestreitet, dass ein von Interpol weitergeleiteter internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliege.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, warnte vor einer Auslieferung. "Behörden und Ministerien sind gehalten, alles zu unternehmen, was die Person nicht gefährdet", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Die Justiz in Ägypten arbeitet nach politischen Vorgaben. Sie ist alles andere als unabhängig. Das muss berücksichtigt werden."

Am Sonntag sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, SPIEGEL ONLINE, Deutschland dürfe sich nicht "zum Handlanger einer politisch kontrollierten ägyptischen Justiz machen". Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder sagte: "Ich halte Abschiebungen oder Überführungen in Länder für sehr problematisch, in denen es die Todesstrafe gibt."

vek/dpa
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