Airports Frankfurt und Berlin Tausende protestieren gegen Fluglärm

In Frankfurt und Berlin-Schönefeld haben Tausende Anwohner lautstark gegen Fluglärm protestiert. In Hessen war es mit 10.000 Teilnehmern die bisher größte Demonstration nach der Eröffnung der neuen Landebahn. Betreiber Fraport äußerte Verständnis.

dapd

Frankfurt am Main/Berlin - Mit einer koordinierten Aktion haben am Samstag Tausende Anwohner der Flughäfen Frankfurt am Main und Berlin-Schönefeld gegen Fluglärm demonstriert. In Frankfurt war es die bisher größte Demonstration von Ausbaugegnern im Flughafen.

Die Polizei sprach von 6000 Demonstranten, der Veranstalter von 10.000, die in der Abfertigungshalle ein striktes Nachtflugverbot und ein Ende des Dauerlärms über ihren Häusern forderten. Wegen der Menschenmenge sei vor dem Terminal 1 kurzfristig der Straßenverkehr gesperrt worden, der Flugverkehr wurde demnach nicht beeinträchtigt. In Berlin beteiligten sich nach Angaben der Polizei in der Abflughalle des alten Flughafens Schönefeld 300 Menschen, nach Veranstalterangaben 500 bis 600.

Beide Aktionen blieben friedlich. Die Demonstranten verlangten für beide Flughäfen ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr sowie den Stopp weiterer Ausbaupläne. In Frankfurt wurde auch die Stilllegung der neuen Nordbahn gefordert. Der Ausbau des Rhein-Main-Flughafens habe die Grenze der Zumutbarkeit längst überschritten, erklärten Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen.

In beiden Flughäfen erzeugten die Demonstranten, unter ihnen viele Familien mit Kindern, ohrenbetäubenden Lärm. Viele trommelten auf Eimern, Keksdosen und anderen Gefäßen. Einige trugen Ohrenschützer. "Fluglärm macht krank" oder "Landewahn" stand auf Plakaten. Nach Frankfurt waren auch Flughafengegner aus Berlin gekommen sowie Vertreter der Protestbewegung Stuttgart 21.

Montagsdemo gegen Fluglärm

Seit Eröffnung der neuen Landebahn in Frankfurt Ende Oktober ist der Protest gegen Fluglärm zunehmend stärker geworden. So protestieren Anwohner im Frankfurter Flughafen seit November montagabends regelmäßig gegen den Lärm. Daran beteiligten sich nach Angaben von Bürgerinitiativen zuletzt bis zu 5000 Teilnehmer. Über dauerhaftes Nachtflugverbot wird das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im März verhandeln. Derzeit darf nur vorübergehend in der Nacht nicht geflogen werden.

Flughafenbetreiber Fraport äußerte "großes Verständnis" für die Demonstranten. "Die Neubelastung durch den Flugbetrieb ist für sie hoch", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte in einer Mitteilung. "Ich versichere den Menschen in der Region, dass wir gemeinsam und mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, die zu einer Entlastung führen werden."

In der kommenden Woche will der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auf einem Fluglärmgipfel Pläne zur Reduzierung des Lärms vorstellen. In der Diskussion ist vor allem ein neues und leiseres Anflugverfahren.

Der Regierungschef bekannte sich auf einer Klausurtagung der CDU in Wiesbaden jedoch klar zum Flughafenausbau. Er sei Grundlage für "Tausende neue Arbeitsplätze", sagte er. Dies sei "häufig nicht ganz ohne Belastungen möglich". Dennoch werde die schwarz-gelbe Landesregierung alles tun, "um den Fluglärm auf ein erträgliches Maß zurückzuführen", unterstrich Bouffier.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sprach von "völlig überzogenen Vorstellungen" der Demonstranten. Wachstum und Wohlstand der Rhein-Main-Region würden dadurch beeinträchtigt.

abl/dpa/dapd



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