Aktienoptionen Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter

Die Vorschläge von Finanzexperten aus Union und SPD stehen bereits: Die Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter - sie sollen noch vor der Bundestagswahl im September in Kraft treten.


Berlin - Beim nächsten Treffen der Koalitionsspitzen im März soll das Thema Managergehälter auf der Tagesordnung stehen, Finanzexperten aus Union und SPD haben sich jetzt schon auf gemeinsame Vorschläge geeinigt: Demnach sollen Manager Aktienoptionen erst nach vier statt derzeit nach zwei Jahren einlösen dürfen. Die Haftung der Aufsichtsräte wird verschärft. Dies sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß.

Die von ihm und dem CDU-Finanzpolitiker Otto Bernhardt geleitete Arbeitsgruppe habe dagegen keine Einigung bei der SPD-Forderung erzielt, die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern und Abfindungen einzuschränken. "Das bleibt für uns Sozialdemokraten auf der Tagesordnung", sagte Poß.

Die SPD will, dass Managergehälter nur bis zur Höhe von einer Million Euro voll als Betriebsausgaben abgesetzt werden können, darüber liegende Beträge aber nur zur Hälfte.

In den Konsenspunkten wollen Union und SPD aber noch vor der Bundestagswahl Gesetzesänderungen beschließen. "Es besteht die Hoffnung, dass wir in den Punkten, in denen wir uns geeinigt haben, auch noch gesetzgeberisch tätig werden", sagte Poß. "Mit unseren Vorschlägen wollen wir ein Umdenken bei Managern und Aufsichtsräten bewirken." Die Vorschläge seien gleichzeitig ein Signal gegen kurzfristiges Renditedenken, das die Katastrophe an den Finanzmärkten mitbewirkt habe. "Falsche Vergütungsanreize müssen korrigiert werden", sagte Poß. "Angemessenheit der Gehälter, langfristige Nachhaltigkeit und Transparenz sind jetzt gefragt." Es müsse erleichtert werden, je nach wirtschaftlicher Situation eines Unternehmens die Vorstandsvergütungen herabzusetzen. "Gleichzeitig verschärfen wir die Haftungsbestimmungen für die Aufsichtsratsmitglieder", sagte Poß weiter. In der Einigung mit der Union seien viele wichtige Punkte berücksichtigt. Die SPD hätte sich nach seinen Worten eine stärkere Berücksichtigung von Arbeitnehmerinteressen und der Allgemeinheit gewünscht.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte sich vor dem Treffen der Arbeitsgruppe gegen eine Begrenzung von Managergehältern ausgesprochen. Es gehe darum, mehr Transparenz zu schaffen und langfristiges Handeln zu fördern, sagte Zypries der "Süddeutschen Zeitung". "Wir wollen die Gehälter nicht nach oben begrenzen." Im Einzelfall könne ein außergewöhnlich hohes Gehalt gerechtfertigt sein, "wenn die Leistung des Managers stimmt".

hen/Reuters/dpa



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Hadraniel, 29.01.2009
1.
Warum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
joselito 29.01.2009
2.
Zitat von sysopDie Vorschläge von Finanzexperten aus Union und SPD stehen bereits: Die Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter - sie sollen noch vor der Bundestagswahl im September in Kraft treten. Eine richtige Initiative?
Dazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
sample-d 29.01.2009
3. Spitzensteuersatz abschaffen
Zitat von HadranielWarum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
Es muss ja nicht unbedingt eine feste Grenze sein - man könnte auch den Spitzensteuersatz abschaffen, und ab bestimmten Beträgen die Progression wieder einsetzen lassen,so dass die Gehälter automatisch irgendwo begrenzt wären..
Wenzel Storch, 29.01.2009
4. Nicht nur die Manager...
Nicht nur die Manager, sondern auch die sogenannten "Volksvertreter", welche nur die Interessen der Lobbyisten vertreten. Beispiele: Die vielen mangelhaft ausgearbeiteten Gesetze, welche dann von Karlsruhe wieder gestoppt werden mußten. Entscheidungen und Steuerverschwendung, welche oft nur mit Korruption erklärbar ist. Diese zwei Kasten "Manager und Politiker" sind hauptsächlich für die Probleme in unserem Land verantwortlich.
Hippedihop, 29.01.2009
5.
Zitat von joselitoDazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
Und wodurch lässt sich die Einschränkung rechtfertigen, dass Sie als Unternehmer nicht jemandem soviel Gehalt zahlen können wie Sie es wollen. Sie als Unternehmer wissen doch am Besten, was gut für Ihr Unternehmen ist. Und Sie würden doch nicht dem Unternehmen absichtlich schaden, und irgendjemand den Sie kennen in eine hohe Position hieven um ihn zu bereichern. Ergo: Obergrenze für Managergehälter ist Blödsinn.
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