AKW Brunsbüttel Explosion kommt nach zehn Jahren ans Licht

Im Februar nahmen die Betreiber das Atomkraftwerk Brunsbüttel bei Hamburg vom Netz, weil eine Explosion Teile des Kraftwerks stark beschädigt hatte. Nun wurde bekannt, dass sich bereits vor zehn Jahren ein schwerer Zwischenfall ereignet haben könnte.


AKW Brunsbüttel: Rot-grüne Landesregierung fordert Klärung der Zwischenfälle
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AKW Brunsbüttel: Rot-grüne Landesregierung fordert Klärung der Zwischenfälle

Kiel - Die Reaktorsicherheitskommission des Bundes werde am Mittwoch und Donnerstag bei einer Sitzung in Hamburg prüfen, ob und warum eine Wasserstoffexplosion zu Beginn der neunziger Jahre unbemerkt blieb, teilte der Staatssekretär des schleswig-holsteinischen Energieministeriums in Kiel, Wilfried Voigt, mit. "Dies unterstreicht die außerordentliche Bedeutung, die dem Brunsbüttel-Störfall in Expertenkreisen beigemessen wird."

Hinweise auf den alten Vorfall fand man bei der Untersuchung einer Wasserstoffexplosion vom 14. Dezember 2001. Dabei wurde die so genannte Deckelsprühleitung des Kraftwerks zerstört. Rund drei Meter Rohrleitung waren zerfetzt worden. Dabei war Dampf ausgetreten, aber keine radioaktive Strahlung gemessen worden. Der Umfang des Schadens kam erst nach und nach an die Öffentlichkeit, was zu Spannungen zwischen der Aufsichtsbehörde und dem Betreiber, den Hamburgische Electricitäts-Werken (HEW), führte.

Bei der Untersuchung wurde auch der frühere Schaden entdeckt, sagte Voigt. Im Stutzen der betroffenen Leitung sei eine Aufweitung bemerkt worden. Die HEW nähmen an, dass diese ebenfalls von einer Wasserstoffexplosion verursacht worden sei. Bei früheren Revisionsarbeiten wurden lediglich die Schweißnähte überprüft, deshalb habe man die Aufwölbung des Rohres nicht bemerkt.

Unterdessen hätten die HEW die Demontage der Deckelsprühleitung beantragt, da diese für die Sicherheit nicht erforderlich sei. Das Energieministerium prüfe diesen Antrag, sagte Voigt. Nach wie vor drängt das Energieministerium auf die Klärung des Hergangs vom 14. Dezember sowie eine Überprüfung des gesamten Atomkraftwerks zwecks Verhinderung weiterer Wasserstoffexplosionen. Die rot-grüne Landesregierung fordere zudem eine bundesweite Überprüfung der Kontrollstandards in Atomkraftwerken, so der Staatssekretär.

In der hierarchischen Kette müsse die Sicherheitsphilosophie von oben her gelebt werden, kritisierte Voigt das Sicherheitsmanagement des Betreibers. Hier bestehe erheblicher Verbesserungsbedarf. "Wir bestehen energisch darauf, dass ein schlichter Personalaustausch in Brunsbüttel nicht ausreicht." Die HEW hatten nach dem Vorfall im Dezember in größerem Umfang Personal in dem Kraftwerk ausgewechselt.

Wann das AKW wieder ans Netz gehen kann, ließ der Staatssekretär offen. Gemäß dem Atomenergiekonsens zwischen der Bundesregierung und der Atomstromwirtschaft läuft die Lebenszeit des Reaktors im Jahr 2008 aus. Jedoch können Stillstandzeiten auf diese Frist aufgeschlagen oder einem anderen Atomkraftwerk zugerechnet werden.



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