AKW-Überprüfung Atomaufseher geben Entwarnung

Keine Gefahren für deutsche Kernkraftwerke sehen die Atomaufsichten mehrerer Bundesländer nach dem schweren Störfall am schwedischen Reaktor Forsmark. Die Notstromsysteme hierzulande seien nicht dem von Forsmark vergleichbar.


Wiesbaden/Stuttgart - Nach allem, was bisher bekannt sei, gebe es "keine Hinweise auf eine Vergleichbarkeit", sagte Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU). Im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 hatte es eine schwerwiegende Panne bei der Notstromversorgung gegeben. Neben Hessen schlossen jedoch auch Baden-Württemberg, Schleswig-Hostein, Niedersachsen und Bayern einen ähnlichen Störfall aus.

Atomkraftwerk Biblis in Südhessen: "Keine Hinweise auf eine Vergleichbarkeit"
DPA

Atomkraftwerk Biblis in Südhessen: "Keine Hinweise auf eine Vergleichbarkeit"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte die für die Atomaufsicht zuständigen Landesminister aufgefordert, selbst zu klären, ob sich ein Vorfall wie in Schweden auch in deutschen Anlagen ereignen könnte. Man dürfe sich nicht allein auf die Beurteilungen der Betreiber verlassen. Gegenwärtig werden die Länderberichte in Berlin ausgewertet, Gabriel will die Ergebnisse morgen bekanntgeben.

Kritik an Gabriel übte der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Sander sagte, der Informationsfluss in die Länder müsse verbessert werden. Erste, einigermaßen belastbare Hinweise seien erst am 7. August eingegangen, obwohl das Ministerium offenbar seit dem 26. Juli Kenntnis über den Vorfall in Schweden gehabt habe. Zuvor hatte auch Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel mehr Informationen gefordert.

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW bezeichnete die Erklärungen der Länder als "Augenwischerei". Die Behörden hätten den Blickwinkel auf die Notstromversorgung beschränkt und grundsätzliche Sicherheitslücken ignoriert.

Unterdessen wies das Bundesumweltministerium einen Bericht der "Financial Times Deutschland" zurück, nach dem es Verhandlungen der deutschen Atomkraftwerks-Betreiber mit der Regierung über längere Laufzeiten für die Reaktoren gibt. Die Zeitung hatte berichtet, die Energiekonzerne wollten mit solchen Gesprächen die Abschaltung von Atomkraftwerken in dieser Legislaturperiode verhindern.

sön/dpa/Reuters/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.