Kritik an Parteichef Meuthen Gauland sieht AfD als Bewegungspartei – offen für »Querdenker« und Pegida

Der Richtungsstreit in der AfD eskaliert: In einer Abrechnung mit Parteichef Meuthen betont der Ehrenvorsitzende Gauland, man müsse auch zu Protestgruppen wie »Querdenker« und Pegida »Kontakt pflegen«.
Umstrittene AfD-Protestaktion im Bundestag Mitte November: Protest als Programm

Umstrittene AfD-Protestaktion im Bundestag Mitte November: Protest als Programm

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Michael Kappeler / dpa

AfD-Politiker Alexander Gauland sucht vor dem Wahljahr 2021 engeren Kontakt zu umstrittenen gesellschaftspolitischen Gruppierungen. Seine Partei sollte auch als Sprachrohr für Protestgruppen in die nächsten Wahlkämpfe ziehen, sagte Gauland, der die Bundestagsfraktion seiner Partei gemeinsam mit Alice Weidel führt, der Nachrichtenagentur dpa.

Auf die von Kritikern der staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen gegründete Bewegung der »Querdenker« angesprochen, sagte Gauland: »Wir sind eine Bewegungspartei, die auch Kontakt zu bestimmten Protestgruppen pflegen sollte. Das gilt für ›Querdenken‹, aber auch für Pegida in Dresden oder für den Verein Zukunft Heimat aus Cottbus.«

Gauland spricht selbst von »Tanz auf dem Seil«

Die AfD müsse dabei allerdings immer aufpassen, dass nicht »irgendwelche Verrückten« im Namen der Partei Veranstaltungen anmeldeten, fügte er hinzu. »Das ist immer ein Tanz auf dem Seil, bei dem man nicht herunterfallen darf.« Im September 2018 waren AfD-Funktionäre bei einem »Trauermarsch« gemeinsam mit Neonazis durch Chemnitz marschiert, nachdem in der Stadt ein Deutscher bei einer Auseinandersetzung mit Flüchtlingen getötet worden war.

Harsche Kritik übte Gauland am AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen. Der hatte bei der Eröffnung des Bundesparteitages in Kalkar Ende November jene scharf angegriffen, »die nur allzu gern rumkrakeelen und rumprollen« oder die, wie Gauland, Begriffe wie »Corona-Diktatur« verwendet haben.

Gauland sagte, Meuthen habe »eine Rede gehalten, mit der er die Hälfte der Partei beschädigt hat. Warum, das habe ich bis heute nicht verstanden.« Er habe seither aber auch nicht mehr das Gespräch mit dem Parteivorsitzenden gesucht. Gauland erklärte, er hätte auf Meuthens Rede gern schon in Kalkar etwas entgegnet, habe aber dann den zweiten Tag des Parteitages im Krankenhaus verbringen müssen.

Gauland, der von Dezember 2017 bis Dezember 2019 gemeinsam mit Meuthen AfD-Vorsitzender war, warf Meuthen den Versuch vor, den neuen Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla »an die Seite zu drängen«. Er sagte: »Dabei müsste er aus seiner eigenen leidvollen Erfahrung mit Frauke Petry eigentlich wissen, dass man das nicht tun sollte.«

apr/dpa
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