AfD Gauland nennt Merkel "Kanzler-Diktatorin"

Bei einem Auftritt in Elsterwerda greift AfD-Vize Gauland mehrfach Kanzlerin Merkel an, nennt sie "Kanzler-Diktatorin". In seiner Rede beruft er sich zudem auf eine Parole, die gerne von NPD und Neonazis genutzt wird.

AfD-Vize Gauland
REUTERS

AfD-Vize Gauland


Der stellvertretende Vorsitzende der rechtpopulistischen AfD, Alexander Gauland, hat bei einem Auftritt am vergangenen Donnerstag in Elsterwerda Bundeskanzlerin Angela Merkel eine "Kanzler-Dikatorin" genannt, die das "Volk völlig umkrempelt und viele fremde Menschen uns aufpfropft."

Zunächst hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) über den gemeinsamen Auftritt von Gauland und seinem Parteifreund Björn Höcke in Brandenburg berichtet. Auf YouTube wurde ein Mitschnitt der Gauland-Rede veröffentlicht.

Darin ist zu sehen, wie Gauland offenbar vor einer Gruppe von Zuschauern spricht. Hinter ihm steht Höcke. Rund 21 Minuten redet Gauland und wirft den Parteien im Bundestag unter anderem vor, sie verträten "eine Politik der menschlichen Überflutung". Es handle sich um den "Versuch, das deutsche Volk allmählich zu ersetzen durch eine aus allen Teilen dieser Erde herbeigekommene Bevölkerung".

Gleich mehrmals beruft sich Gauland in seiner Rede auf ein Plakat, dass ein Zuschauer offenbar hochhielt. "Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land", liest der AfD-Vize vor.

Die Parole ist nicht neu - im Gegenteil. Die NPD nutzte den Spruch in der Vergangenheit, um Stimmung gegen Ausländer zu machen. Laut FAS wurde der Slogan in der rechten Szene durch die Neonazi-Band "Gigi & Die braunen Stadtmusikanten" bekannt. Es handelt sich demnach um einen Teil des Refrains des Titels "Tolerant und geisteskrank", veröffentlicht auf der 2010 erschienenen CD "Adolf Hitler lebt!".

In Elsterwerda kommt die Parole gut an: Einige sprechen den Slogan mit, andere applaudieren. Später wiederholt Gauland die Parole noch einmal und verweist mehrmals auf das Plakat.

"Es ist Ihre Aufgabe, in den Kirchen dagegen zu wirken, dass dieses Land von der Erde verschwindet und sozusagen nur irgendeine uns fremde Bevölkerung hier lebt", sagt Gauland in dem Video an die Zuschauer gerichtet. "Wir sind die Deutschen und wir wollen es auch bleiben." Auch dafür gibt es Applaus, das Publikum ruft "Wir sind das Volk".

Auch auf die Mekka-Reise von Nationalspieler Mesut Özil spielt Gauland in seiner Rede noch einmal an: "Ich darf Zweifel bei Menschen haben, die die Kaaba umrunden." Im Interview mit dem SPIEGEL nannte Gauland die Pilgerreise des beliebten Fußballers "sehr gewöhnungsbedürftig für eine Partei, die den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachtet".

Bei Fußballspielern akzeptiere er dies, aber "bei Beamten, Lehrern, Politikern und Entscheidungsträgern würde ich sehr wohl die Frage stellen: Ist jemand, der nach Mekka geht, in einer deutschen Demokratie richtig aufgehoben? Liegt die Loyalität beim deutschen Grundgesetz, oder liegt sie bei einem Islam, der ein politischer Islam ist?" Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.)

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brk

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