AfD-Führung Restaurant will Gauland und Weidel nicht bewirten

Politiker und Prominente gehen gern zum Berliner Edel-Italiener "Bocca di Bacco". Die AfD-Führung allerdings musste nun draußen bleiben: Gauland und Co. bekamen keinen Tisch - aus politischen Gründen.

AfD-Politiker Gauland, Weidel
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AfD-Politiker Gauland, Weidel

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Es sollte ein Abendessen in der Mitte der Hauptstadt werden. Kurzfristig wollten die beiden AfD-Chefs Alexander Gauland und Jörg Meuthen mit Co-Fraktionschefin Alice Weidel, dem Fraktionsmanager Bernd Baumann sowie Pressesprecher Christian Lüth zusammenkommen.

Doch daraus wurde nichts.

Das Sekretariat der Pressestelle der AfD-Fraktion hatte für Montagabend im "Bocca di Bacco" angefragt, einem Restaurant in der Friedrichstraße, nicht weit vom Boulevard Unter den Linden gelegen. Der Edel-Italiener jedoch sagte ab - und begründete diesen Schritt politisch: "Politiker und deren Angestellte, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, politischer Einstellung oder Hautfarbe diskriminieren und diskreditieren möchten wir nicht bedienen", heißt es in einer E-Mail an das Sekretariat der Pressestelle der Fraktion der Rechtspopulisten.

AfD-Fraktionspressesprecher Lüth, der den Vorgang auf Twitter öffentlich gemacht hatte, nannte ihn "undemokratisch und dumm". Ähnlich äußerte sich AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch: "Die politische Korrektheit ist doof wie Dosenbrot. Wahrscheinlich noch viel viel doofer", twitterte sie.

Gauland selbst nannte die verweigerte Bewirtung "lächerlich". Er habe in der Vergangenheit des Öfteren im "Bocca di Bacco" gut gespeist, sagte der AfD-Partei- und Co-Fraktionschef am Dienstag zum SPIEGEL.

Zuspruch fürs "Bocca di Bacco" gab es von der SPD. Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli twitterte: "Bella Italia."

Der Berliner SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier, Sprecher seiner Fraktion für Rechts- und Netzpolitik im Abgeordnetenhaus, schrieb auf Twitter: "Sehr cool und deutliches Statement gegen Hass und Diskriminierung vom Berliner Restaurant BoccaDiBacco. Soll'n die Typen von der AfD doch zu Hause essen."

Probleme mit dem Essen auswärts haben AfD-Politiker öfter. So hatten Restaurants in Berlin unter anderem SPIEGEL-Journalisten in jüngerer Zeit gebeten, Gespräche mit dem Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke - er gehört dem rechten "Flügel" in der Partei an - nicht mehr in ihren Räumlichkeiten stattfinden zu lassen.

Ein ähnlicher Fall wie jetzt im "Bocca di Bacco" hatte sich im November in einem Restaurant in München zugetragen. Damals war die AfD-Fraktionschefin im bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, der "Goldenen Bar" im Haus der Kunst verwiesen worden. DieBetreiberin hatte die Politikerin mit Verweis (Lesen Sie hier die Geschichte) auf das multikulturelle Personal gebeten, das Restaurant zu verlassen, was Ebner-Steiner und ihre Begleitung auch taten. Juristisch ist ein solches Vorgehen durch das Hausrecht und die Vertragsfreiheit gedeckt.

insgesamt 283 Beiträge
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marty_gi 07.05.2019
1. richtig
Ist ja auch kein urdeutsches, weisses Essen - sondern so ein eingereister Misch-Masch. Den vertragen AfD'ler doch eh nicht. Was wollen sie also da?
Emitter 07.05.2019
2. Das ist schon lustig. Jetzt sind die AfD-Vorstände mit der Ablehnung..
...konfrontiert, die sie in ihrem politischen Programm predigen.
Brunni 07.05.2019
3. Könnte man es nicht schon dreist nennen ...
wenn Leute die gegen Ausländer hetzten, sich bei einem Ausländer bewirten lassen wollen ?
stumpen89 07.05.2019
4. Richtig so!
Appeasement hat noch nie gegen Neonazis funktioniert. Strukturelle Ausgrenzung in jedem Lebensbereich ist neben solider Sachpolitik und eigenen politischen Idealen und Zielen die einzige Möglichkeit, der Sache Herr zu werden. Die Grünen haben das verstanden: hart und unnachgiebig in der Sache, nicht zu viel mediale Aufmerksamkeit für die neuen Rechten und die freigewordenen Ressourcen steckt man in die Straffung des eigenen liberalen, ökologischen und linken Programms. Keine Pasta den Faschisten! Sobald Meuthen, Weidel und co. reumütig von der AfD distanzieren, dürfen sie auch wieder mitessen.
Claus Wöbken 07.05.2019
5. Mal spüren, wie es ist, abgelehnt zu werden
Die AFD-Oberen haben nun auch einmal erfahren, wie es ist, nicht erwünscht zu sein. Vielleicht trägt dieses Gefühl bei einigen zum Umdenken bei. Ich würde es mir wünschen.
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