Ermittlungen zum Giftanschlag Nawalny sollte im Flugzeug sterben

Nach dem Giftattentat auf Alexej Nawalny verdichten sich nach SPIEGEL-Informationen die Hinweise, dass der Kreml involviert gewesen sein könnte. Deutsche Behörden unterstellen den Tätern brutales Kalkül.
Anschlagsopfer Nawalny

Anschlagsopfer Nawalny

Foto: Evgeny Feldman / Navalny's campaign / dpa

Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny werden die Hinweise auf eine Beteiligung von russischen Regierungsstellen immer konkreter. Nach SPIEGEL-Informationen soll es sich bei dem gegen Nawalny eingesetzten Giftstoff um eine Weiterentwicklung von bislang bekannten Zusammensetzungen des Nervenkampfstoffes Nowitschok  handeln.

Das Gift sei noch "härter" als bisherige Formen, erklärte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, vergangene Woche in einer geheimen Runde. (Lesen Sie hier die komplette Geschichte. )

DER SPIEGEL 38/2020

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Die Zusammensetzung des Giftstoffes ist für die Bundesregierung der wichtigste Hinweis darauf, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in den Fall verwickelt sein könnte. Je komplexer, neuer und seltener die chemische Zusammensetzung des Giftes, desto wahrscheinlicher sei es, dass man nur mithilfe des russischen Staatsapparates daran gelange, heißt es.

Bei den deutschen Sicherheitsbehörden geht man derzeit davon aus, dass nur ein russischer Geheimdienst Nawalny auf dem Weg zum oder am Flughafen selbst vergiftet haben kann. Da der Oppositionspolitiker nachweislich eng durch den Inlandsgeheimdienst FSB überwacht worden ist, sieht man keine andere Möglichkeit.

Nawalny war Ende August auf einem Flug von Sibirien nach Moskau plötzlich zusammengebrochen und klagte über starke Krämpfe. Mittlerweile wird der Putin-Kritiker in der Berliner Charité behandelt, ist aus dem Koma erwacht und ansprechbar.

Die deutschen Behörden haben die Tat mittlerweile rekonstruiert.

Das Kalkül der Täter war es demnach, dass Nawalny noch an Bord des Flugzeugs sterben sollte. Nur das beherzte Eingreifen des Piloten, der spontan in Omsk notlandete, und die anschließende Behandlung Nawalnys mit einem Gegengift im dortigen Krankenhaus hätten ihm das Leben gerettet.

Der Kreml hat mehrfach vehement bestritten, etwas mit dem Mordversuch zu tun zu haben. Stattdessen wirft Moskau der Bundesregierung vor, mit dem Fall Politik machen zu wollen. Am Freitag forderte Moskau, dass russische Ermittler Nawalny in Berlin befragen sollten.

Auch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist in die Untersuchungen mit einbezogen. Eine Delegation der OPCW soll nach SPIEGEL-Informationen am Wochenende zu Besuch in der Berliner Charité gewesen sein und bekam dort Blut- und Urinproben des vergifteten Politikers zur weiteren Untersuchung ausgehändigt.

mgb
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