Früherer CSU-Ministerpräsident Alfons Goppel hatte Kontakt zu NS-Verbrechernetzwerk

Gab es eine Seilschaft zwischen Alfons Goppel und hochrangigen NS-Chargen? Ein alter BND-Vermerk über Goppels Verbindung zu einem syrischen Spitzenbeamten wirft nach SPIEGEL-Informationen diese Frage auf.

Früherer bayerischer Ministerpräsident Goppel: Beliebt beim Wähler
Klaus Frings/ AP

Früherer bayerischer Ministerpräsident Goppel: Beliebt beim Wähler


Der einst bei CSU-Wählern überaus beliebte Alfons Goppel, von 1962 bis 1978 Ministerpräsident Bayerns, hatte Kontakt zu einem Netzwerk aus hochrangigen NS-Verbrechern. Das zeigen Unterlagen im Archiv des Bundesnachrichtendienstes (BND).

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Heft 25/2019
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Die Verbindung lief über den hohen syrischen Beamten Mamdouh Midani, der Anfang der Sechzigerjahre mehrfach München besuchte, als Goppel Landesinnenminister war. Nach einem Herzinfarkt bat Midani Goppel um Hilfe bei einem Problem mit seiner Aufenthaltserlaubnis.

Derselbe Midani beschäftigte allerdings in Damaskus den flüchtigen SS-Hauptsturmführer Alois Brunner, verantwortlich für die Deportation von mehr als 128.500 Juden, sowie den sogenannten Juden-Referenten des Auswärtigen Amts Franz Rademacher, ebenfalls ein NS-Verbrecher. Der BND-Vermerk über die "Verbindung" zwischen Goppel und Midani stammte vom BND-Mann und Nahostexperten Hartmann Lauterbacher, der mit Midani Kontakt hielt.

Lauterbacher, einst SS-Obergruppenführer, wurde selbst diverser Verbrechen beschuldigt. Zu seinen Bekannten zählte der SS-Mörder und BND-Informant Walther Rauff, Erfinder des Gaswagens, sowie SS-Sturmbannführer Alois Schintlholzer, der dem Holocaust-Organisator Adolf Eichmann 1950 bei der Flucht nach Argentinien geholfen hatte.

Goppel war selbst SA- und NSDAP-Mitglied. Unklar ist, ob der CSU-Mann um die braunen Verbindungen Midanis wusste.

Goppel erreichte 1974 mit gut 62 Prozent das bislang besten Ergebnis der CSU bei einer bayerischen Landtagswahl. Er regierte Bayern 16 Jahre - so lange wie kein anderer Ministerpräsident nach ihm.

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klw



insgesamt 42 Beiträge
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UluKay 14.06.2019
1. Gehts noch ?
Was habt ihr denn gegen die CSU ? Über Strauss habt ihr auch schon immer gelästert. Und Scheuer und Dobrindt mögt ihr auch nicht. Und jetzt noch den alten Goppel. Habt ihr denn keinen Respekt vor dieser christlichen und sozialen Partei ? ;-)
seangerd 14.06.2019
2. sicherlich
auch heute noch von den obskuren bayerischen Fans gewählt, hofiert, bewundert, die heute noch jeden Wähler der Linken als von Ulbricht und Stalin beeinflusst, beschimpfen. Auf dem rechten Auge große Blindheit, besonders in Bayern und Sachsen. Hat das was mit Freistaat zu tun?
mhuz 14.06.2019
3.
Holt ihn aus dem Sarg und klagt ihn an - mag ja sein aber wem hilft das was ? Hätte es der Spiegel zu seiner Minister Zeit gebracht, dann wäre es gegangen wie mit Kiesender aber heute.
om108 14.06.2019
4. Dieser Artikel zeigt doch nur, wessen Geistes Väter die CSU hatte
oder zum Teil noch hat. Es hätte der CSU gut gestanden aus eigener Initiative diese Verbindungen aus den eigenen Politikerreihen mit ehemaligen Nazigrößen zu beleuchten. Das christliche Selbstbild der CSU kann ich da ohnehin nicht teilen, es sei denn man fasst einen Teil der christlichen Historie eben auch als einen blutigen Feldzug gegen andere Ethnien und Andersgläubige auf.
rainer82 14.06.2019
5. Es ist immer wieder wohltuend zu erleben,
dass die Geschichte, besser gesagt, Historikerinnen und Historiker, dafür sorgen, dass auch höchst unangenehme Wahrheiten, die jahrzehntelang unterdrückt wurden, doch noch ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. So kann jenen späte Gerechtigkeit widerfahren, die von ihrem politischen Umfeld (und vor allem auch sich selbst) erfolgreich "verklärt" wurden. Nun müssen die Geschichtsbücher einmal mehr revidiert werden. Und das tut uns allen gut!
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