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Geld »retourniert« Weidels AfD-Kreisverband bezahlte umstrittenen Berater

2020 bestritt Alice Weidel, der Geschäftsmann Friedel Opitz sei für sie tätig gewesen. Nun belegen Kontounterlagen: Ihr AfD-Kreisverband überwies dem umstrittenen Berater rund 1900 Euro.
aus DER SPIEGEL 33/2021
Fraktionschefin Weidel: Kreisverband überwies 1900 Euro

Fraktionschefin Weidel: Kreisverband überwies 1900 Euro

Foto: political moments / imago images

Der Kreisverband von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hat Geld an einen umstrittenen Politikberater überwiesen. Das geht aus Kontounterlagen hervor, die dem Recherchezentrum Correctiv, dem ARD-Politikmagazin »Kontraste« und dem SPIEGEL vorliegen.

Demnach flossen von einem AfD-Wahlkampfkonto, auf dem auch illegale Spenden aus der Schweiz eingingen, im Oktober 2017 rund 1900 Euro an den Berliner Geschäftsmann Friedel Opitz. Opitz tritt unter anderem als Experte für »Krisenmanagement« auf und verfügte über Bundestagsvisitenkarten, die ihn als »Strategischen Berater« Weidels auswiesen.

Faksimile einer Opitz-Visitenkarte

Faksimile einer Opitz-Visitenkarte

Foto: privat

Wiederholt war er im Visier der Justiz : Im Februar klagte ihn die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Betrug an, es geht um fragwürdige Fahrzeugfinanzierungen. Zum Vorwurf der Anklage nahm Opitz auf Anfrage inhaltlich keine Stellung; auch zu etwaigen Geschäftsbeziehungen zur AfD oder zu Weidel äußerte er sich nicht.

DER SPIEGEL

Als »Kontraste« die Politikerin 2020 zu Opitz befragte, gab sich Weidel ahnungslos. Sie bestritt, dass der Berater jemals für sie tätig gewesen sei. Konfrontiert mit der Überweisung der 1900 Euro räumte Weidel nun ein, dass sich Opitz »damals um einen Mietwagen gekümmert« habe, den sie »für die Absolvierung meiner Wahlkampfauftritte und Medientermine« benötigt habe. Opitz habe den Betrag vorgestreckt, die Partei habe ihn »retourniert«.

Aus: DER SPIEGEL 33/2021

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Zur Frage, wie der Geschäftsmann zu den Bundestagsvisitenkarten kam, erklärte Weidel, ein »ursprünglich geplantes Beratungsverhältnis« mit ihm sei »nicht zustande« gekommen. Allerdings habe Opitz »von meinem Büro bereits im Vorfeld Visitenkarten erhalten«. Ob es weitere Kostenerstattungen an den Berater gegeben habe, müsste noch abgeklärt werden.

Bei dem Konto, von dem Weidels AfD-Kreisverband Geld an Opitz überwiesen hat, handelt es sich um dasselbe, das auch Gegenstand einer Affäre um illegale Parteispenden aus der Schweiz war. Im Bundestagswahlkampf 2017 waren dort gestückelt 132.000 Euro eingegangen. Die Bundestagsverwaltung verhängte deshalb später eine Strafe in Höhe von rund 400.000 Euro.

srö
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