Alkoholmissbrauch Berlin prüft Verbot von Flatrate-Partys

Die Politik reagiert auf den gefährlichen Trend unter Jugendlichen zum sogenannten "Koma-Saufen": Berlin prüft einem Zeitungsbericht zufolge ein Verbot von Flatrate-Partys. Erst gestern war in der Hauptstadt ein Jugendlicher nach einer Alkoholvergiftung gestorben.


Berlin - Die Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher prüft nach Informationen der "Berliner Zeitung" ein Verbot von "Flatrate-Partys", bei denen ein Pauschalpreis fürs Trinken bezahlt wird. Im Senat und in den Bezirken werde geprüft, inwieweit Gewerbeämter, Jugendämter und Polizei mehr Kontrollen in Diskotheken gewährleisten können, heißt es in dem Bericht.

Trinken bis zum Umfallen: Ein junges Mädchen liegt nach durchzechter Nacht schlafend auf einer Bank
DPA

Trinken bis zum Umfallen: Ein junges Mädchen liegt nach durchzechter Nacht schlafend auf einer Bank

In der Senatsverwaltung für Gesundheit heiße es, die Gewerbeaufsicht der Bezirke sei aufgefordert zu kontrollieren, ob das Trinken zum Pauschalpreis in Diskotheken den Alkoholmissbrauch Minderjähriger fördert. Gestern war der 16-jährige Berliner Gymnasiast, der seit Ende Februar nach schwerster Alkoholvergiftung vier Wochen im Koma lag, gestorben.

Der 16-Jährige war nach angeblich rund 50 Gläsern Tequila in einem Lokal mit 4,8 Promille zusammengebrochen und seitdem nicht aus dem Koma aufgewacht. Er sei an den Folgen des Kreislaufversagens im Krankenhaus gestorben, sagte die Sprecherin der Berliner Charité, Kerstin Endele. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht seien weitere Angaben nicht möglich.

Der Fall hatte eine bundesweite Debatte um strengere Gesetze und Kontrollen beim Alkoholkonsum von Jugendlichen ausgelöst. Die Bundesregierung lehnt bisher eine Verschärfung der Gesetze ab.

Eine Obduktion solle nun die genaue Todesursache klären, erklärte die Polizei. Die Kriminalpolizei ermittelt zudem, ob andere Lokalbesucher oder der Wirt für den Tod des Schülers eines Gymnasiums im Villenviertel Zehlendorf mitverantwortlich sind, weil sie ihn nicht vom Trinken abgehalten haben.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch erneut schärfere Gesetze gegen das Koma-Trinken abgelehnt. Bestimmungen im Jugendschutz- und Gaststättengesetz müssten streng umgesetzt werden, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD).

Dem Gaststättengesetz nach dürfen in Deutschland Bier, Wein und Sekt nicht an unter 16-Jährige, sogenannte branntweinhaltige Getränke nicht an unter 18-Jährige abgegeben werden. Außerdem ist Wirten nicht erlaubt, offensichtlich Betrunkenen weiter Alkohol auszuschenken.

Allein in Berlin waren in den vergangenen Wochen mehrere Fälle von exzessivem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bekannt geworden. Zuletzt war am Wochenende ein 15-jähriges Mädchen bewusstlos mit 4,1 Promille in ein Krankenhaus gebracht worden. Vergangenes Jahr verdoppelte sich in der Hauptstadt die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in eine Rettungsstelle kamen. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat bundesweit bereits mehr als ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen einen Alkoholrausch erlebt.

hen/AP/dpa



insgesamt 1595 Beiträge
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inci 10.03.2007
1.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und wochen hochgekochte dringlichkeit ist lediglich phase I in der strategie von herrn kyprianou, europas bürger dank gesundheitskontrolle unsterblich zu machen. und wie man sieht, haben wir schon die diskussion zu dem thema.
Roller, 10.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann doch auch nicht sein, dass nachmittags das Kinderprogramm mit Alkoholwerbung zugepflastert wird. An Hand der Gesetze kann man doch schon sehen, wer in Deutschland das Sagen hat: Autoindustrie,Pharmaindustrie und Jägermeister + Co. Gruss Roller
GeneralPatton, 10.03.2007
3.
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann gehts mir am nächsten Tag beschissen und ich halt mich für die nächste Zeit davon fern. Scheint fast so als sei manchen Menschen in dieser Hinsicht der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.
vaikl 10.03.2007
4.
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man bürdet *alle* primären und sekundären Kosten, die der Gesellschaft aufgrund von ärtzlicher Notfallversorgung, Blockierung von Notfallaufnahmeplätzen, Krankenhausbetten und Therapieplätzen, Unfallschäden, Versorgung von Verkehrsopfern, polizeilichen Ermittlungen und Gerichtskosten entstehen, den Komasäufern *allein* auf, weil man in solchen Fällen nicht mehr auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren darf.
JoergB, 10.03.2007
5.
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
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