Mitbegründer der Alternative für Deutschland "Der Euro bringt die Völker gegeneinander auf"

Die Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" will die politische Landschaft aufmischen und im Herbst in den Bundestag einziehen. Vor dem ersten Parteitag erklärt der Mitbegründer und Publizist Konrad Adam im Interview, was ihn antreibt.

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SPIEGEL ONLINE: Herr Adam, am Sonntag gründet sich die "Alternative für Deutschland" offiziell. Sie sind 71, warum suchen Sie nach einer langen Laufbahn als Journalist und Publizist nun noch das politische Abenteuer in einer Anti-Euro-Partei?

Adam: Das fragen mich meine Kinder auch. Ich erkläre dann immer etwas pathetisch, dass ich zu einer Generation gehöre, die ihre Eltern immer wieder gefragt hat: Was habt ihr eigentlich in den Jahren der Nazi-Diktatur gemacht? Ihr habt doch gesehen, was passiert. Habt ihr weggeguckt?

SPIEGEL ONLINE: Nazi-Zeit und Euro-Krise - das ist ein ziemlich gewagter Vergleich. Sehen Sie Europa allen Ernstes auf dem Weg in die Diktatur?

Adam: Natürlich nicht. Historische Vergleiche sind immer gewagt. Es geht ganz einfach um die Frage, was die Zukunft bringt - oder eben nicht. Ich möchte meinen Kindern sagen können: Ich habe diese Entwicklung mit äußerster Sorge betrachtet - und ich habe versucht, etwas zu unternehmen. Und zwar mit zulässigen, demokratischen Mitteln.

SPIEGEL ONLINE: Dann erklären Sie uns doch bitte, warum die Republik die "Alternative für Deutschland" (AfD) brauchen soll?

Adam: Weil es laut offizieller Sprachregelung der Kanzlerin keine Alternativen gibt. Bei Angela Merkel ist jeder Schritt der Euro-Rettung alternativlos. Eine alternativlose Politik ist aber eine schlechte Politik. Politik lebt von Alternativen. Wir wollen dafür sorgen, dass es sie wieder gibt.

SPIEGEL ONLINE: Die zentrale Botschaft der AfD erscheint genauso alternativlos: Raus aus dem Euro!

Adam: Wir sind vorsichtig genug, nicht ins Detail zu gehen. Der Euro-Zwangsverband muss aufgelöst werden - allerdings nicht durch einseitige Maßnahmen der Deutschen oder der Mittelmeerstaaten, sondern durch Verhandlungen. In solchen Verhandlungen gilt es, Alternativen auszuloten. Das gilt auch für weitere zentrale Forderungen: Wir wollen zurück zu den Maastricht-Kriterien und ein Referendum für den Fall, dass die Substanz des Grundgesetzes angetastet wird.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gegen den Euro?

Adam: Der Euro bringt die Völker in Europa nicht zusammen, er bringt die Völker gegeneinander auf. Dabei werden viele schlechte Argumente angeführt, das räume ich ein. Aber erklären Sie mal einem Zyprer, dass er auf das Diktat der Deutschen und anderer europäischer Staaten nicht wütend sein soll.

SPIEGEL ONLINE: Verstehen Sie, wenn Demonstranten in Zypern oder Griechenland die Kanzlerin in Nazi-Uniform und mit Hitler-Bärtchen verunglimpfen?

Adam: Das Hitler-Bärtchen ist albern, dafür habe ich kein Verständnis. Es geht auch nicht um Deutschland und die Kanzlerin allein. Ich habe aber sehr wohl Verständnis, wenn sich die Leute über die Troika empören. Die Troika hat kein Mandat vom Volk, sie wurde von oben eingesetzt - aber was hat sie in Griechenland angerichtet? Sie hat eine Regierung aus dem Amt getrieben, sie hat ein Parlament entmündigt und einem Volk das Stimmrecht entzogen. Das ist undemokratisch.

SPIEGEL ONLINE: Das Ganze hat eine Vorgeschichte. Die Krisenstaaten sind nicht unschuldig an ihrer Situation.

Adam: Natürlich nicht. Aber den entscheidenden Fehler haben die Staats- und Regierungschefs in ihrer berühmten Nachtsitzung von Brüssel im Mai 2010 gemacht, als sie die Maastricht-Kriterien urplötzlich außer Kraft setzten und den Bail-out für Griechenland beschlossen. Das war ein Vertragsbruch. Und vertragswidrige Zustände können wir nicht zulassen.

SPIEGEL ONLINE: Die AfD beteuert, sie stehe zur friedlichen Einigung Europas. Glauben Sie, man kann den anderen europäischen Staaten sagen: Sorry, das mit dem Euro klappt nicht, aber lasst uns zusammen Außenpolitik machen?

Adam: Wir müssen auflösen, was sich nicht bewährt hat: den Euro-Zwangsverband. Dann muss man sich neu zusammensetzen und neu verhandeln. Wir haben eine grundsätzliche Sympathie für die Linie des britischen Premiers David Cameron: Fairness auf beiden Seiten, Neuverhandlungen und anschließend eine Volksabstimmung über das Ergebnis.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt auch in der Union und der FDP viele, die mit Merkels Euro-Kurs hadern. Glauben Sie, die AfD kann diesen Enttäuschten eine neue Heimat bieten?

Adam: Das glaube ich schon. Aber das ist nur die eine Seite: Ich habe gerade erst wieder mit zwei enttäuschten SPD-Mitgliedern gesprochen, die zu uns kommen wollen. Unser Reservoir ist viel größer, als allgemein angenommen wird.

SPIEGEL ONLINE: Ein Vorwurf gegen die AfD lautet, sich nicht eindeutig nach Rechtsaußen abzugrenzen. Sie selbst haben gelegentlich in der umstrittenen "Jungen Freiheit" veröffentlicht...

Adam: ...wo ich in einer Gesellschaft bin, derer ich mich nicht zu schämen brauche: Auch Altbundespräsident Roman Herzog oder SPD-Urgestein Egon Bahr haben dieser Zeitung Interviews gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Wo zieht die AfD die Grenze nach rechts?

Adam: Wir fragen bei der Aufnahme neuer Mitglieder nach früheren Parteizugehörigkeiten. Wer bei der NPD oder der DVU war, ist bei uns nicht willkommen. Wir haben schon Beitrittskandidaten abgelehnt und Mitglieder wieder ausgeschlossen. Das werden wir auch weiterhin tun.

SPIEGEL ONINE: Einer Ihrer Unterstützer, der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtscheider, hat weniger Berührungsängste. Er trat für die NPD als Sachverständiger auf und referierte bei der Bewegung "Pro Köln", die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ist das kein Problem?

Adam: Was man den Steinewerfern von links zugute gehalten hat: Die alte Regel, dass man lernen kann, diese Chance sollte man anderen auch geben - bis zum Beweis des Gegenteils. Davon abgesehen gehört die Pro-Bewegung zu jenen Gruppen, deren ehemalige Mitglieder wir uns genauer ansehen, wenn sie zu uns wollen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Chancen räumen Sie der AfD bei der Bundestagswahl ein?

Adam: Es gibt ein großes Potential für die Alternative. Unser Ziel ist, über fünf Prozent zu kommen.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie selbst auch in den Bundestag?

Adam: Wenn sich die Möglichkeit ergibt - warum nicht?

Das Interview führte Philipp Wittrock

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Pinin 13.04.2013
1. Kranker Euro
Seit über 10 Jahren, seit EURO-Start sehen diese Politiker-"Ärzte" zuerst tatenlos und dann hektisch zu wie der EURO-"Patient" von Anfang an dahinsiecht und nur immer wieder gesund-geredet und hemmungslos belogen wird. Jetzt soll noch irgend jemand glauben dass diese Kurpfuscher den todkranken Patienten heilen können und werden, einen Patienten der mutwillig von genau diesen Ärzten infiziert wurde? Wie machte man es im Altertum: Stirbt der Patient, stirbt auch der Arzt. In diesem verfluchten neuen Europa wird er mit Karrieren und Auszeichnungen überschüttet und erhält am Ende eine Mega-Pension. Einfach krank.
kdshp 13.04.2013
2.
Nicht der EURO sondern ddas viele in armen ländern wie griechenland usw. dachten die party auf kosten der EU geht immer weiter. WO wären denn diese armen ländern heute OHNE den EURO!
laberhannes1 13.04.2013
3. Alternativen sind immer gut,
so ist es immer im Leben. Der EURO im Zusammenhang mit Brüsseler Machtstreben bringt den menschen in Europa, nicht nur den Deutschen, keine positive Entwicklung. Es gilt, ohne Scheuklappen und ohne politische Doktrin die europäische Zukunft so zu gestalten, dass Europa auch eine Zukunft hat. So wie es jetzt ist kann es doch nun wirklich nicht weiter gehen!
unixv 13.04.2013
4. kann alles nur besser werden!
Was hat mir der €uro gebracht? Lohn/Gehalt oder Rente mal eben halbiert! Ich darf mich im Ausland nicht mehr als Deutscher Outen, könnte böse enden! Meine Versicherungen oder das Gesparte sind nichts mehr wert! An jeder Ecke stehen Bettler aus dem Osten, Keller und Wohnungseinbrüche auf dem Höchststand! €uro und dieses Beamten-Paradies-€uropa" Aufzug für den Weinkeller, oder sowas wie Koch-Merin z.B.!", sind für die Tonne! Dazu kommt noch die Abzocke der sogenannten Etablierten Politiker, egal wie sie sich nennen, ob SPDGRÜNEFDPCDU die wollen sich nur noch ihre eigene Tasche voll stopfen, nach mir die Sintflut! Dieses €uropa, ohne mich!
vates 13.04.2013
5. Horizont
Was verspricht sich die Alternative von dem Austritt? Klares wird nicht formuliert. Besser wäre doch die Richtung zu den Vereinigten Staaten von Europa. Aber als nächstes fordern die noch: "Eigene Währung für die deutschen Bundsländer". Denn der Länderfinanzausgleich ist so "ungerecht".
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